Wanderratten sind Allesfresser. Foto: wikimedia/Losch

Im vergangenen Jahr hat das Institut für Hygiene und Umwelt
21 Mal Schädlingsbekämpfer ins Phoenix-Viertel geschickt

Sabine Langner, Harburg. Sie leben in Hamburg zu Tausenden, ihre genaue Anzahl ist unbekannt: Ratten. Wer aufmerksam durch Harburg geht, kann die als Vorrats-, Material- und Gesundheitsschädlinge gefürchteten anpassungsfähigen Nager entdecken. Besonders im Phoenix-Viertel.
„Überall laufen hier Ratten herum. Sie klettern in die Mülltonnen und sie laufen über den Spielplatz!“, sagt Margarethe K. (Name der Redaktion bekannt). Sie regt sich so auf, dass sie kaum sprechen kann. Die Harburgerin wohnt in der Geraden Straße. Aus ihrem Wohnzimmer hat sie eine gute Sicht auf den Spielplatz am Beckerberg und auf den Spielplatz, der zur Kita Eddelbüttelstraße gehört.
Fast täglich beobachtet sie, wie sich Ratten durch die Müllsäcke fressen, die in vielen Hauseingängen liegen, oder wie die Tiere in der Dämmerung die Spielplätze erobern. „Das Problem im Phoenix-Viertel ist bekannt“, sagt Sinje Lehmann, Pressesprecherin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt.
Schädlingsbekämpfer legen hier regelmäßig Giftköder aus und kontaktieren die Hauseigentümer. Allein im vergangenen Jahr gab es im Phoenix-Viertel 21 Einsätze. Einige Häuser befinden sich in einem so schlechten Zustand, dass sie Ratten perfekte Unterkünfte bieten. „Und herumliegende Müllsäcke sind natürlich auch ein großes Problem“, so Sinje Lehmann.
Auch Katrin Geyer, Pressesprecherin der Elbkinder Kitas, zu der auch die Kita in der Eddelbüttelstraße gehört, kennt das Rattenproblem im Phoenix-Viertel: „Tatsächlich sind bedauerlicherweise die Straßen rund um die Kita Eddelbüttelstraße von Ratten befallen und damit auch die Spielplätze. Es gibt einen öffentlichen Spielplatz und einen, der zur Kita Eddelbüttelstraße gehört, der aber ab 18 Uhr und an den Wochenenden für die Öffentlichkeit freigegeben ist. Immer wieder bleiben dann dort Keksschachteln oder Pizzareste liegen, was das Ungeziefer geradezu anlockt. Die Kita-Kolleginnen reinigen den Spielplatz täglich vom zurückgelassenen Müll – um am nächsten Tag wieder damit zu beginnen.“
In Hamburg sind Bürger verpflichtet, Ratten oder Zeichen eines Rattenbefalls unverzüglich zu melden. Auf privaten Grundstücken muss der Eigentümer etwas gegen die Ratten unternehmen, meist wird ein professioneller Schädlingsbekämpfer gerufen. Auf öffentlichen Grundstücken wird das Institut für Hygiene und Umwelt tätig.
Klar ist: Die Rattenplage lässt sich nicht so einfach in den Griff bekommen. „Eine weibliche Ratte bringt es – Kinder- und Kindeskinder eingeschlossen – auf ungefähr 600 Nachkommen.

Hintergrund
Ratten können bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen. Für die Pest im Mittelalter waren aber nicht Ratten sondern der Rattenfloh, der im Fell von Ratten lebt, verantwortlich.
Nach Auskunft der Gesundheitsbehörde sind 2022 insgesamt 1.333 Rattensichtungen in Hamburg gemeldet worden. Die wenigsten in Harburg: 133. Im Bezirk Mitte wurden 210 Ratten gesichtet, in Altona 193.
<< www.hamburg.de/ratten

1 KOMMENTAR

  1. Ich habe von 2016 bis 2021 im Phoenix-Viertel gewohnt. Schon zu der Zeit waren überall Ratten! Besonders stark war der Befall am und im Engelbek (ja, es heißt DER Bek, also der Bach). An der Bushaltestelle „Reeseberg“, dort, wo er unter der Erde verschwindet. Die Wasseroberfläche und die Ufer waren ein einziges Gewimmel. Wenn Ratten tagsüber derart sichtbar sind und dazu so zahlreich, bedeutet das eine massive Überbevölkerung. Die Folge ist, dass sich die Tiere im Wohngebiet ausbreiten und Gebüsche und Keller befallen. Ich habe mehrmals beim Gesundheitsamt angerufen. Jeweils wenige Tage später flatterten dann vor Ort die roten Warnzettel. Allerdings darf so etwas nicht nur sporadisch und auf Zuruf erfolgen. Wenn man Ratten wirksam bekämpfen will, muss dies systematisch und regelmäßig erfolgen. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Stadt dies tat oder tut.

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