Antiquariat Halkyone am Lampl´weg 10 /Foto: Detlef Lemme

Altona, im Januar 2023. Keine halkyonischen Tage im Dezember hatte Detlef Gerd Stechern, denn Ende März soll plötzlich Schluß sein mit seinem Antiquariat am Lamp´lweg 10, unweit der Großen Bergstraße in Hamburg Altona.
Der Name des Antiquariats entlehnt sich aus der griechischen Mythologie, sein Logo ziert ein Eisvogel. Die Redensart „halkyonische Tage“ steht für ein stilles Intermezzo in turbulenten Zeiten.

Seit 1993 betreibt Stechern das Antiquariat Halkyone, erst aus den eigenen Wohnräumen und seit 1996 im Lamp’lweg 10. Sein Geschäft hat rund 65 qm Ladenfläche und eine schöne 7 Meter lange Schaufensterfront. Sein Angebot reicht von seltensten Werken der Weltliteratur zu einigen Tausend Euro bis hin zu Kistenbüchern vor dem Fenster für einen Euro.

Auch wenn der Verkauf von alten Büchern und Kunstwerken heute zum großen Teil über das Internet abläuft, darf man so einen Bücherhort nicht einfach sterben lassen. Die alten Bücher sind Unikate und müssen gepflegt werden. Einer muss sich ihrer annehmen. Für Detlef Gerd Stechern, der seine Schätze natürlich auch übers Internet verkauft, ist der Austausch mit Kollegen und Kunden sehr wichtig, er lebt mit seinen Schätzen und es wird ihm das Herz brechen, wenn er diesen Ort nun räumen muss.

Vor einem Jahr kam eine Mieterhöhung um 100 %. Und das Timing konnte nicht schlechter sein: Detlef Stechern kam gerade nach einer Bandscheiben-OP aus dem Krankenhaus, da flatterte das Schreiben mit „besten Genesungswünschen und alles Gute zum Weihnachtsfest“ ins Haus.

Die Sache ist kompliziert: Die Vermieter sind eine Erbengemeinschaft. Ist diese sich nicht einig, können keine Veränderungen vorgenommen werden. Damals lebte noch eine resolute 80-jährige Dame, die sich der Mieterhöhung entgegenstellte: „Herr Stechern, machen Sie sich keine Sorgen, mit mir wird daraus nichts!“ Nach dem Tod der alten Dame stand die Mietforderung aber wieder im Raum und im September 2022 kam dann die Kündigung zum 31. März 2023.

So viel Geld könnte das Antiquariat niemals aufbringen. Also Schluß jetzt? Vorhang runter?

Ein letzter Strohhalm wäre die Vermittlung zwischen den hoffnungslos zerstrittenen Vertragsparteien von Seiten der Politik oder der Öffentlichkeit, denn Halkyone möchte noch nicht aufgeben.

Über 6000 Bücher, Bilder und viele andere Dinge müssten dann „entsorgt“ werden. Mit seinem Verschwinden stirbt ein lebhafter Farbtupfer in der Gleichförmigkeit der Handelsketten. Die ganze Nachbarschaft, Kollegen und Kolleginnen und der große Freundeskreis bedauern das sehr, war Halkyone doch 30 Jahre Bestandteil der Altonaer Altstadt.

Es war sogar schon ein Nachfolger gefunden, der sich für zwei Jahre einarbeiten wollte, um dann das Geschäft zu übernehmen.

Mit Halkyone schließt das letzte Ladenantiquariat in Hamburgs Westen.

Auf seiner Facebook-Seite pflegt Halkyone seit Jahren eine Galerie mit Fotos seiner begeisterten Kundschaft:

https://www.facebook.com/

https://www.facebook.com/Halkyone

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