Länger warten: Die S32 fährt auf dieser Fotomontage der SPD bereits bis zum Osdorfer Born. Jetzt müsste wohl S6 draufstehen. Fotomontage: SPD

Erschütterungsgutachten: Eine S-Bahn müsste wegen sensibler Forschung bei DESY weiter östlich fahren

Schlechte Nachrichten für eine S-Bahnverbindung von der Science City Bahrenfeld über Lurup zum Osdorfer Born. Im Hamburger Transparenzportal wurde von der Öffentlichkeit unbemerkt das Ergebnis des „Erschütterungsgutachtens“ ins Netz gestellt und dort vom Elbe Wochenblatt aufgestöbert. Das Gutachten hat für die Planung des Milliardenprojekts, das nunmehr von S32 in S6-West umbenannt wurde, erhebliche Auswirkungen.

Was steht im Gutachten?
Bislang war geplant, dass die Strecke etwa unterhalb der Luruper Chaussee verlaufen solle. Davon rät die Untersuchung aus Sicht der Sachverständigen dringend ab. Die Trasse müsse mindestens 160 Meter nach Osten verlegt werden.

Was sorgt für Probleme?
Bei DESY werden elektrisch geladene Teilchen beschleunigt, die durch elektromagnetische Felder gesteuert werden. Das macht sie anfällig gegenüber Störfeldern, wie sie durch die Stromversorgung der S-Bahn entstehen. Erheblich reduzieren ließen sich die Störungen bei batteriebetriebenen Zügen. Solche Triebwagen wird es allerdings auf absehbare Zeit nicht geben.

Wie weit müsste die S-Bahn um die DESY-Forschungsgebäude herumfahren?
Der Umweg wäre wohl deutlich weiter. In der „Standortanalyse Science City“ heißt es, der Abstand solle „so groß wie möglich“ sein.  Elementar sei eine kurvenfreie und vor allem weichen- und kreuzungsfreie S-Bahnstrecke im Radius von etwa 800 Meter um den DESY-Campus und möglicher weiterer Forschungsstandorte.

Was folgt daraus?
Eine deutlich längere Strecke einer S-Bahn unter dem Volkspark könnte im schlimmsten Fall für steigende Kosten im dreistelligen Millionenbereich sorgen.

Sollten nicht bis Ende 2022 neue Ergebnisse vorliegen, wo die S6-West weiter östlich in das übrige S-Bahn-Netz einfädelt?
Eigentlich ja. Der von der Bahn geplante „Verbindungsbahnentlastungstunnel“ könnte dafür sorgen, dass die S6-West über den Diebsteich statt an der Holstenstraße fährt (wir berichteten). Ein Bahn-Sprecher war auf Nachfrage des Elbe Wochenblatts in dieser Woche nicht in der Lage, einen Termin zu nennen: „Wir können Ihnen momentan noch nicht exakt sagen, wann die Machbarkeit vorliegen wird. Wir informieren Sie, wenn es so weit ist.“

Wie geht es weiter?
Laut eigenen Aussagen befindet sich der Senat seit 2021 in einer „erneuten, verbindliche Variantenprüfung“. Die soll „unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung zum Verbindungsbahnentlastungstunnel fortgeführt und abgeschlossen werden.“ Wenn nun derzeit niemand weiß, wann die Machbarkeitsuntersuchung vorliegt, könnte der Baubeginn für die S6-West immer weiter nach hinten geschoben werden, wenn das Milliardending denn überhaupt kommt.

 

Bahn zum Born: Lange gingen die Planer noch davon aus, dass die etwa 8,3 Kilometer lange Neubaustrecke vom S-Bahnhof Holstenstraße über Bahrenfeld, Lurup bis zum Osdorfer Born führen soll. Sie soll zum größten Teil im Tunnel verlaufen. Im Sommer 2019 war die erste Machbarkeitsuntersuchung abgeschlossen worden, die aber noch kein „Erschütterungsgutachten“ zu den Auswirkungen der S-Bahn auf die sensiblen Forschungsinstrumente bei DESY enthielt.

Zu den Gesamtkosten der S6-West ist bislang noch  nichts bekannt. Experten bezweifeln jetzt schon, dass sie Mitte der 2030er-Jahre fertig werden kann.

Eine „Bahn nach Lurup“ wurde den Hamburgern zuerst im Wahlkampf 1974 versprochen, ein Jahr später aus Geldmangel abgeblasen und vom Senat seit 2019 verbindlich zugesagt.

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