War es eine Sturmmöwe, die im Eis festgefroren war? Foto: Wikimedia/David Menke

Neues vom Nachbarn – Wochenblatt-Kolumne von Oliver Lück

Haben Sie das mit der Möwe gelesen? Hat ja in den Tagen vor Weihnachten in den Hamburger Zeitungen gestanden: „Möwe friert im Eis fest – Feuerwehr rettet den Vogel.“ Mit acht Leuten war das Möweneinsatzkommando (kurz: MEK) ausgerückt und hatte das Tier nach gut zwei Stunden befreit.

Natürlich stellte ich mir sofort vor, wie das passieren konnte, wie der Vogel gerade ein Bad genommen und vielleicht über den Zustand der Welt nachgedacht und dabei die Zeit vergessen hatte. Und zack: Blitzeis! Und natürlich dachte ich auch an die Leute, die sich an Gemälde, auf Straßen oder an Supermarkteinkaufskörbe kleben, um so auf den Untergang der Welt und vielleicht sogar auf bedrohte Vogelarten hinweisen wollen. Stichwort: Generation Möwe.

Ich mag Vögel. Trotzdem weiß ich nur sehr wenig über sie. Das wurde mir jetzt wieder mal klar, wegen der Eismöwe. Genauso wie ich fast nichts über Bäume, Wolken oder Insekten weiß. Umso schöner ist es dann, wenn man jemanden trifft, der sich mit einer Sache ganz besonders gut auskennt und auch noch so darüber erzählen kann, dass es nicht zu wissenschaftlich oder gar langatmig wird. Mein Freund Patrick ist so einer.

Wer an Ornithologen denkt, hat eher kauzige und in ihrem Verhalten leicht verrutschte Typen vor Augen, die lieber alleine unterwegs sind. Für Außenstehende ist die große Begeisterung für die Schönheit eines Spatzenmännchens im Brautkleid mitunter ähnlich rätselhaft wie die selbstvergessene Konzentration, mit der sich Briefmarkensammler oder Modelleisenbahnbauer ihrem Hobby widmen.

Patrick aber ist ein Meister der Verwandlung. Er versteht es, Vögel auf unterhaltsame Art nachzuahmen. Einmal verwandelte er sich in eine Zwergdommel, die mit sehr tiefen bellenden Lauten ihr Revier absteckt. Patrick klang wie ein Hund. Seine Hände waren die Flügel, die er rhythmisch zum Gesang bewegte. Dann tauschte er für einen Moment die Rolle und wurde zum Jungvogel, der in den ersten Wochen nach dem Schlüpfen noch nicht fliegen kann, im Schilf herumklettert und dabei seltsame Schreie von sich gibt.

Anschließend imitierte Patrick auch noch die Baby-Zwergdommel. Es hörte sich in etwa so an wie einer dieser schlimmen Radiowecker mit Digitalanzeige, die auf Nachttischen stehen und urplötzlich Alarm geben. Der Flugruf der Rohrdommel, so Patrick, erinnere dagegen an das raue Bellen des Fuchses. „Krau“, rief er immer wieder. Krau. Krau. Krau. Und dann ein sehr tiefes und dumpfes „Uwuump“, was das Männchen sein sollte, das klarmacht, wer hier das Sagen hat. Und die weißen Tauben, das ließ er mich auch noch wissen, sind übrigens Möwen.

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