Steile Tribünen am Diebsteich: das geplante Stadion von Altona 93 aus der Vogelperspektive. Foto: Freie und Hansestadt Hamburg / gmp Architekten_WES Landschaftsarchitektu

Altona 93 bekommt sein Regionalligastadion, Lokalrivale Teutonia 05 sieht sich von der Stadt ignoriert

Der raue Charme rund um das Industriegebiet und der Fußball von Altona 93 – das passt zusammen. So sieht es der rot-grüne Senat, der an seinem Plan am Diebsteich ein Regionalligastadion zu bauen festhält, obwohl CDU, FC Teutonia 05 und der Hamburger Fußballverband sich vehement für ein Drittligastadion nördlich der Waidmannstraße eingesetzt hatten. Das Elbe Wochenblatt mit den Antworten über den nun entschiedenen Zoff ums Stadion.

Was wird gebaut?
Der FC Altona 93 bekommt einen Ersatz für die Adolf-Jäger-Kampfbahn, die der Verein wie wiederholt berichtet Ende 2026 verlassen muss. In Bahrenfeld spielt der AFC seit 1908, bald werden dort mehr als 350 Wohnungen entstehen.

Wer zahlt?
Ragnar Törber, zweiter Vorsitzender von Altona 93 stellt klar, dass sich der Oberligaklub die Kosten der Flächen für den Spielbetrieb vollständig allein leisten könne. „Das kostet keinen Steuerzahler irgendetwas. Und wie viel Geld wir haben, weiß mittlerweile die ganze Stadt“, so Törber. Von den 11,25 Millionen Euro, die der AFC durch den Grundstücksverkauf eingenommen hat, sollen noch rund zehn Millionen Euro übrig sein. Die Gesamtkosten für das Gelände werden auf 159 Millionen Euro geschätzt, der Bebauungsplan 2024 fertig sein.

Wie sieht die neue Adolf-Jäger-Kampfbahn (AJK) aus?
Von oben erinnert die futuristische AJK an ein englisches Stadion mit steilen Tribünen. Der Siegerentwurf von gmp International GmbH zeigt, dass die Architekten sich mit Stadionbauten auskennen. Mit seinem kürzlich verstorbenen Partner Meinhard von Gerkan hat Volkwin Marg mehrere WM-Arenen in Deutschland und Südafrika gebaut.

Wie viel Fans können rein?
Der Senat schreibt in seiner Pressemitteilung von circa 5.000 Zuschauern. Für ein Drittligastadion verlangt der DFB 5.001 Zuschauer, es gibt zusätzliche Sicherheitsanforderungen, um rivalisierende Fanblöcke voneinander zu trennen – die Stadt müsste dafür geschätzte 30 Millionen Euro zahlen, wozu sie nicht bereit ist.

Was haben die Anwohner davon?
Wie mehrfach berichtet, haben Anwohnerinitiativen sich gegen die geplante Musikhalle aber für ein Regionalligastadion ausgesprochen. AFC-Vize Törber kündigt an: „Wir sind sieben Tage die Woche vor Ort, planen unter anderem eine Volksküche, mehrere karitative Anlaufstellen und Angebote für Senioren.“ Man freue sich, mit den zukünftigen Nachbarn gemeinsam auf den begrenzten örtlichen Gegebenheiten ein enges Miteinander zu entwickeln. Bei einem Drittligastadion fiele das weg: „Die vorgesehene Öffnung zum Stadtteil wäre bei einem Drittligastadion, das den Anforderungen des DFB entspricht, nicht mehr möglich“, so die Sportbehörde. Außerdem würde es durch das größere Einzugsgebiet mehr Verkehr am Diebsteich geben. Bei gleichzeitig im Stadion und Musikhalle stattfinden Veranstaltungen gäbe es größere Verkehrsprobleme – wenn auch einige Nummern kleiner – wie rund um Volksparkstadion und Barclays Arena.

Warum will die Stadt keinen Drittligafußball am Diebsteich?
Im Rathaus hält man einen Aufstieg der viertklassigen Teutonenelf für unrealistisch. Tatsächlich kämpft die Mannschaft derzeit in der Regionalliga gegen den Abstieg. Der Ottenser Stadtteilverein hatte den Vertrag mit Sponsor Lukoil (Tochter eines russischen Staatsunternehmens) im Frühjahr aufgelöst. Wer die weiteren Geldgeber sind, durfte die Öffentlichkeit bislang nicht erfahren.

Was sagt Teutonia 05?
Im „Hamburger Abendblatt“ beklagt sich Teutonen-Boss Liborio Mazzagatti: „Ich fühle nur noch Leere, unser Ziel, mittelfristig in die Dritte Liga aufsteigen zu wollen, ist weggebrochen. Die Stadt hat unsere Interessen ignoriert. Wir müssen uns jetzt mit unseren Sponsoren zusammensetzen und beraten, wie es weitergehen soll.“

Laufen die Fans Teutonia 05 die Bude ein?
Bislang nicht. Teutonia verfügt zwar über den höchsten Durchschnittsbesuch (514) der vier Regionalligisten im Bereich des HFV, dennoch ist das alles andere als drittligareif. Zum Vergleich: Als der FC St. Pauli 2007 in der damals drittklassigen Regionalliga spielte, zahlten pro Spiel durchschnittlich 16.786 Zuschauer Eintritt.

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