Sven-Olaf Moch, Mitglied des Kirchengemeinderates der Melanchthongemeinde, hat sich noch nicht entschieden, wie Kirche und Gemeinderäume künftig geheizt werden sollen. Foto: da

Melanchthonkirche: Altes Heizsystem soll entweder durch moderne
Gasheizungen oder ökologische Wärmepumpen ersetzt werden

René Dan, Groß Flottbek

Die Melanchthonkirche macht ihrem Namen bislang alle Ehre. Benannt nach Philipp
Melanchthon (1497-1560) – dem engen theologischen Mitstreiter Martin Luthers und Förderer der Etablierung von Naturwissenschaften an Universitäten – ist die Gemeinde offen für Innovationen. So gehörte die 1952 errichtete Kirche zu den Vorreitern bei der Einführung von Sonnenenergie. Seit mehr als 20 Jahren versorgt eine Solaranlage auf dem Dach der Kirche und des Gemeindehauses die darunter betenden, beratenden und – im Falle des Pastorats – wohnenden Menschen mit Strom. So erfolgreich die Fotovoltaikanlage auch arbeitet – jetzt steht die Melanchthongemeinde am Scheideweg.

34 Tonnen CO2
würden zwei neue Gaskessel jährlich ausstoßen – gegenüber 25 Tonnen CO2 bei zwei Wärmepumpen mit Gasbrennwert-Thermen

Dies hängt auch mit der Energiekrise zusammen. „Wir rechnen für 2023 mit einer Verdreifachung der Energiekosten auf über 30.000 Euro“, sagt Sven-Olaf Moch vom Kirchengemeinderat. Wie auch in anderen Gotteshäusern ist Sparen angesagt, die Orgel – so die Nordkirche – benötigt eine konstante Temperatur von acht Grad Celsius, für Gottesdienste wird auf 16 Grad Celsius aufgedreht. „Früher war es deutlich wärmer“, so Sven-Olaf Moch.

Immerhin: Dank Fußbodenheizung wird relativ effizient geheizt, allerdings mit einer Gasheizung, die von 1993 stammt und – wie auch der 1986 installierte Gaskessel des Pastorats – altersbedingten Verschleiß zeigt.

270.000 Euro würden zwei Wärmepumpen kosten

Demnach würden zwei Wärmepumpen mit Gasbrennwert-Thermen rund 270.000 Euro kosten. Das ist sehr viel Geld für eine mit 1.700 Mitgliedern eher kleine Gemeinde. Diese verfügt über keine nennenswerten Rücklagen, ihr wird lediglich vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein ein Jahresetat von 90.000 Euro bewilligt. „Wir müssten beim Kirchenkreis einen Förderantrag stellen“, so Sven-Olaf Moch.

Auf dem Dach des Gemeindehauses (Foto) und der Kirche ist seit über 20 Jahren eine Fotovoltaikanlage in Betrieb. Die Solarmodule produzieren pro Jahr circa 10.000 Kilowattstunden an Strom. Diese Leistung entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von drei Vier-Personen-Haushalten. Foto: da

Die Alternative ist finanziell deutlich sparsamer: zwei neue Gaskessel. Sie würden mit 130.000 Euro weniger als die Hälfte von Wärmepumpen kosten und deutlich weniger Energie verbrauchen als die alten Gasheizungen. Und doch lägen auch die modernen Gasanlagen ökologisch klar hinter dem Konkurrenzmodell. „Kirche, Gemeinderäume und Pastorat hätten mit Gaskesseln eine jährliche CO2-Emission von 34 Tonnen, mit Wärmepumpen und Gasbrennwert-Thermen läge die CO2-Emission bei 25 Tonnen“, erläutert Physik-Professor Moch die Untersuchungsergebnisse des Ingenieurbüros.

Es sei schwierig zu entscheiden, welche Alternative man bevorzugen sollte. „Etwas weniger CO2 und um 10.000 Euro niedrigere Betriebskosten bei hohen Investitionen und erst langfristigen Einsparungen – oder deutlich niedrigere Investitionen.“ Sven-Olaf Mochs vorläufiges Fazit: „Ich bin noch unentschieden.“ Der neu gewählte Kirchengemeinderat wird die Entscheidung über die Heizungsart fällen. Ob die Melanchthongemeinde unter Hamburgs Kirchen wieder zum ökologischen Vorreiter wird, bleibt abzuwarten.

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