Margot Möller und Alma Weihe (v. l.): Beide setzen sich für den Fortbestand der Stöberstube ein. Foto: KP Flügel

K.P. Flügel, Wilhelmsburg. Muss die im Keller des St. Raphael-Gemeindehauses in der Jungnickelstraße 21 ansässige Stöberstube schließen? Das Gemeindehaus selbst ist – um Heizkosten zu sparen – bereits zugesperrt. Die Stöberstube, weit mehr als nur eine Kleiderkammer für Bedürftige, kann zumindest bis Weihnachten freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet bleiben.
„Gegründet wurde sie vor 38 Jahren mit dem Gedanken, den Umweltschutz voranzubringen, Dritte-Welt-Artikel und Bio-Produkte anzubieten“, erzählt Alma Weihe, die seit 36 Jahren mit dabei ist und seit zehn Jahren die Stöberstube leitet. „Hier können Menschen auch hinkommen, wenn sie nur eine Tasse Tee oder Kaffee trinken möchten. So kommt man ins Gespräch, auch im seelsorgerischen Sinn. Die Kirche muss sich um alle kümmern, egal ob um Ausländer oder nicht. Hier, in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof, gibt es sonst nichts mehr, was mit Kirche zu tun hat.“
Alma Weihe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Stöberstube, mit deren Einnahmen Projekte in Afrika oder die Flutopfer im Ahrtal unterstützt werden, am Leben zu halten. Kein leichtes Unterfangen angesichts explodierender Energiekosten. „Hier geht um die Nebenkosten, die die Kirche für das Gemeindehaus nicht mehr bezahlen kann oder will“, sagt die Seniorin, die von Pastor Malte Detje bei der Verleihung des Ansgar Kreuzes bezeichnet wurde „als eine Person, die mit ihrer ausgeprägten Gabe, Menschen zu verbinden, den Einzelnen im Auge zu behalten und die Schwachen zu stärken, zu einem Segen für viele in unserem Stadtteil geworden ist“.
„Ich habe jetzt erst mal 300 Euro von unseren Einnahmen übergeben, damit wir hier freitags heizen können“, erzählt Alma Weihe. „Mein Wunsch war es immer, solange ich hier wohne, ich werde jetzt 84 Jahre alt, dieses Umweltstübchen weiterzumachen.“ Sie setzt große Hoffnung darauf, dass der neu gewählte Kirchengemeinderat positiv über die Zukunft des Gemeindehauses und damit auch über die Zukunft der Stöberstube entscheiden wird.
Margot Möller (72), gerade auf einen Kaffee vorbeigekommen, unterstützt Alma Weihe, „dass sie solange sie kann, hier weitermacht. Wir haben hier Altersarmut, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Hier um den Bahnhof sind die Leute alle vergessen. Es ist eine furchtbar vergessene Insel.“
Wie steht‘s um das Gemeindehaus in der Jungnickelstraße? Nachgefragt bei Pastor Malte Detje. Seine Antwort: „Die Energiekrise stellt uns als Kirchengemeinde mit unseren großen und alten Gebäudebeständen vor eine besondere Herausforderung. Als uns im September die Heizkostenprognose erreichte, wurden uns allein für das Gemeindehaus St. Raphael Mehrkosten von 40.000 Euro im Jahr prognostiziert. Das war für uns finanziell nicht mehr darstellbar.“ So sei relativ kurzfristig entschieden worden, das Gemeindehaus St. Raphael über den Winter zu schließen und mit allen Angeboten an die Kreuzkirche in Kirchdorf zu ziehen. Ob der neue Kirchengemeinderat eine andere Lösung findet?

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