Reingucken kann man – von der Benutzung wird allerdings abgeraten: das vor gut 20 Jahren errichtete Toilettenhäuschen am Helmuth-Schack-See. Foto: cvs/Archiv

Linken-Antrag zum Ausbau öffentlicher WCs von Bezirksversammlung Altona abgeschmettert

Von Dirk Andresen. Böse Zungen wählen bei der delikaten Problematik schon mal deftiges Vokabular. Die zu Beginn des Jahres vom Senat vollmundig angekündigte „Toilettenoffensive“ für Hamburg sei bis heute eher ein Griff ins Klo, so nicht wenige Kritiker. Obwohl allein 2022 mehr als 8,5 Millionen Euro in die Renovierung und den Ausbau des Netzes öffentlicher Toiletten gepumpt werden sollen, wird das Projekt mehr und mehr zum Politikum.

Missmanagement, fehlendes Augenmaß und sogar die Benachteiligung ganzer Stadtteile wird den Verantwortlichen in Senat, Behörden und Bezirksversammlungen inzwischen vorgeworfen. Im Kreuzfeuer steht aktuell auch die Bezirksversammlung Altona, die einen Antrag der Linken für einen deutlichen Ausbau des Toilettennetzes mehrheitlich abschmetterte.

Nachdem bekannt wurde, dass unter anderem für eine Instandsetzung der WC-Anlagen im Bornpark und der Rissener Kiesgrube schlicht das Geld fehlt (das Elbe Wochenblatt berichtete), unternahm die Linke jetzt in der Bezirksversammlung einen neuen Vorstoß. Fraktionschef Karsten Strasser: „Das Angebot von öffentlichen Toilettenanlagen im Bezirk Altona ist unzureichend. Die vom Senat verkündete Toilettenoffensive hat daran nichts geändert. Der Senat muss hier dringend tätig werden. Aktuell verfügen ganze Stadteile wie Lurup oder der Osdorfer Born über keine einzige öffentliche Toilette.“

Unverlangte Toilette in St. Georg für 250.000 Euro

Grüne, SPD, CDU indes stemmten sich in der letzten Bezirksversammlung am 24. November mit großer Mehrheit gegen den Linken-Antrag nach einem zügigen Ausbau des WC-Netzes. Lapidar heißt es dazu in einem Statement: „Die Bezirksversammlung hat den Antrag mehrheitlich gegen die Stimmen der Linken abgelehnt.“
Auf der nächsten Bezirksversammlung am 26. Januar soll dieser Beschluss endgültig offiziell gemacht werden.

Als einen Fall von „Missmanagement“ prangern die Linken zudem auch die fast in die Hose gegangene Errichtung der als Musterbeispiel gepriesenen neuen Toilettenanlage auf dem Alma-Wartberg-Platz in Ottensen an. Dort steht bereits seit Anfang August ein voll automatisiertes WC, angeschlossenen und funktionstüchtig – aber nicht zu benutzen. Weil bei den Pflasterungsarbeiten rund um das WCs gepennt wurde. Erst nachdem die Linken sprichwörtlich Druck machten, konnte die Toilette – plötzlich ganz schnell – doch geöffnet werden.

Ein weiterer Rohrkrepierer droht der Hamburger Toilettenoffensive jetzt auch auf dem Hansa-Platz in St. Georg. Dort wurde für 250.000 Euro ein neues, modernes WC eröffnet – nur das dies keiner braucht, weil nur hundert Meter entfernt ein weiteres steht.
Altonas Linken-Fraktionschef Karsten Strasser sieht im übrigen nicht nur beim großen und kleinen Geschäft eine Benachteiligung sozial Schwächerer durch die öffentliche Hand. So wurde zuletzt von Betroffenen immer lauter kritisiert, dass Gebiete wie der Osdorfer Born auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs benachteiligt werden. Strasser: „Es geht einfach nicht, dass beispielsweise Lurup und der Osdorfer Born bei der Verteilung von öffentlichen Geldern benachteiligt werden. Da gibt es gravierende Nachteile, da geht es einfach nicht gerecht zu.“

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