In Lurup und Osdorf gab es zwischen 2019 und 2021 insgesamt 425.000 Fahrgäste. Foto: ioki

Uwe Holst hat als ioki-Chauffeur zwei Jahre Junge und Ältere gefahren, die auf den Shuttle angewiesen sind 

Am Steuer der britischen Elektroautos hatte Uwe Holst seinen Spaß. Ein „traumhaftes Fahren“ sei das gewesen, gerät der ehemalige ioki-Chauffeur immer noch ins Schwärmen. Das  Fahrzeug habe eine „wahninnige Beschleunigung und liegt dabei wegen seines hohen Gewichts wie ein Brett auf der Straße“.

Vom Herbst 2018 bis zum Sommer 2020 war Holst Fahrer beim schadstoffarmen Shuttleservice. Deutlich wichtiger als das persönliche Fahrvergnügen war ihm jedoch, dass sich die Fahrgäste freuten, wenn er mit seiner  weißen Taxe mit einem kaum wahrnehmbaren Surren um die Ecke kam. „Ich bin mit Herzblut unterwegs gewesen und habe gesehen, wie ioki ein fester Bestandteil von Osdorf und Lurup wurde“, sagt der Lemsahl-Mellingstedter. Er wollte nach einer erfolgreichen Karriere mit Leitungspositionen in der Lebensmittelbranche in seinem Ruhestand etwas Sinnvolles tun.

Seine Fahrgäste waren teilweise nicht gut zu Fuß, deshalb war es ein Segen, dass er sie fast an der Haustür abholen konnte. Die vom Senat ab Januar als Alternative gepriesene Moia-Flotte hält er, als jemand, der beides kennt, für keine Alternative. „Wenn ich persönlich mit Moia in der Stadt unterwegs bin, muss ich teilweise 350 Meter bis zum virtuellen Haltepunkt laufen.“

Gab Mobilitätskongress den Ausschlag?

Dass Moia mit seiner Preisstruktur nur gering unter Taxipreisen liege, mache den Dienst für Menschen mit wenig Geld unerschwinglich. „Ich bedaure sehr, dass man die Menschen in Osdorf und Lurup so im Stich lässt.“ Er hat noch gute Kontakte in beiden Stadtteile, die ab Januar den ioki-Shuttle an Harburg verlieren (das Elbe Wochenblatt berichtete). Demnächst ist er deshalb im Osdorfer Born zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Die ioki-Fahrzeuge ermöglichen gerade Älteren das, was in Sonntagsreden „Teilhabe“ heißt. Seine ehemaligen Fahrgäste haben den Chauffeur im Gegenzug auch an ihrem Leben teilhaben lassen.

Holst chauffierte aber nicht nur Ältere, sondern auch junge Frauen, die den Shuttlervice, der rund um die Uhr unterwegs ist, aus Sicherheitsgründen nutzen, um nicht nachts allein auf der Straße unterwegs sein zu müssen. „Diese Mädels können sich keine Moia-Fahrt für acht bis zehn Euro leisten.“

Nach diesen Erfahrungen aus zwei Jahren am Steuer des Shuttles findet er es „ganz wichtig, dass ioki wenigstens mit einer kleinen Flotte in Osdorf und Lurup erhalten bleiben muss“. Als das Angebot wie berichtet im Herbst 2020 aus Kostengründen schon einmal auf der Kippe stand, hat Holst Politiker der SPD und Grünen um Hilfe gebeten. „In der Bürgerschaft half es damals sehr, dass Hamburg 2021 Ausrichter des Weltkongresses für intelligente Verkehrssysteme war. Deshalb wollte man das ioki-Pilotprojekt wohl noch nicht streichen“, erinnert er sich.

In der Entscheidung für die Ausweitung des Moia-Gebiets an den Stadtrand sieht Uwe Holst auch eine Folge des Einflusses des VW-Konzerns, dem Moia-Mutterkonzern, auf die Hamburger Politik. „Mich wundert es schon, dass man Moia als privatem Unternehmen im öffentlichen Nahverkehr so viele Aufgaben überträgt.“

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