Ralf B. auf dem Hinterhof der Lindenstraße 20/22 in Eimsbüttel - wo er steht soll ein dreigeschossiges Wohnhaus hochgezogen werden. B: „Dann habe ich in meiner Wohnung kaum noch natürliches Tageslicht.“ Foto: Dirk Andresen

Geplanter Neubau: Anwohner sauer: „Bin entsetzt, dass mit uns nicht gesprochen wird“

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Es liegt Ärger in der Luft in der Eimsbütteler Lindenallee. Ralf B. steht auf einem idyllischen Hinterhof vor seinem Schlafzimmerfenster im Erdgeschoss von Nummer 22. Die Sonne scheint. „Bald fällt nur noch Schatten in meine Fenster“ , sagt der 66-Jährige. Denn nur zehn Meter von selbigen entfernt soll nach seinen Informationen bald ein dreigeschossiges Wohnhaus auf dem Hof stehen. Bauherr soll Immobilienkaufmann Bernhard Werner, Hausbesitzer und Vermieter der Häuser Lindenallee 22 und 20, sein. Ralf B. sichtlich sauer: „Und wir Mieter – in unserem Haus sind fast alle Wohnungen vermietet – sollten davon offenbar erstmal gar nichts erfahren.“

Uns drohen erhebliche Verschattungen in unseren Wohnungen, jahrelanger Baulärm, Straßensperren, Parkplatznot – aber darüber will keiner mit uns Betroffenen reden
Ralf B.,
Mieter in der Lindenallee

Erst befreundete Besitzer von Eigentumswohnungen in der Liegenschaft, die bei Beantragung eines Bauvorhabens informiert werden müssen, hätten ihn und andere Mieter alarmiert. Ralf B.: „Ich kann einfach nicht begreifen, dass weder von Herrn Werner noch den zuständigen Behörden mit uns gesprochen wird.“ Der Rentner empört: „Seit Jahrzehnten lebe ich in dieser Wohnung, sie ist mein Zuhause, 2018 haben meine Eltern den Mietvertrag auf mich übertragen lassen. Ich bin ehrlich entsetzt, dass ich offensichtlich in einem Land lebe, in dem man nur durch einen ganz großen Zufall Informationen darüber bekommt, dass einem so ein Klotz direkt vor die Nase gesetzt wird.“

Eine Bauvoranfrage läuft

Mit seiner Kritik stehe er bei Nachbarn und Anwohnern nicht alleine. „Uns drohen erhebliche Verschattungen in unseren Wohnungen, jahrelanger Baulärm, Straßensperren, Parkplatznot – aber darüber will keiner mit uns Betroffenen reden“, so B. Noch schlimmer: Der geplante Neubau solle zudem auch noch auf offiziell „nicht überbaubarer Fläche“ entstehen – das heißt, dort dürften nur Vorgärten und Grünflächen, aber keine Gebäude entstehen.

Dabei scheint sich gerade das Gegenteil anzubahnen: Nach Informationen des Elbe Wochenblattes drohen mindestens ein großer Laubbaum im Hinterhof sowie unversiegelte Rasen- und Sandflächen dem Bauvorhaben geopfert zu werden. In einem Gebiet, dessen Oberfläche ohnehin durch übermässige Bebauung fast komplett versiegelt ist, in dem Regenwasser sich eher staut als abläuft.

In der Politik formiert sich auch deshalb der Widerstand gegen einen Neubau und eine offenbar ebenfalls ins Auge gefasste Aufstockung der Häuser 20 und 22 um ein Stockwerk. Die Eimsbütteler Grünen, Linken und die FDP sind angeblich gegen das Vorhaben, offenbar soll demnächst deshalb sogar eine Ortsbegehung stattfinden. Die Eimsbütteler Linken stellen jedenfalls schon mal klar: „Wir sind vehement gegen diese irrsinnigen Verdichtungspläne in einem ohnehin schon sehr vorbelasteten Gebiet.“

Der mögliche Bauherr Bernhard Werner bestätigte dem Elbe Wochenblatt immerhin soviel: „Es läuft eine Bauvoranfrage. Wenn diese positiv entschieden wird, werden wir sehen. Die Baukosten sind momentan enorm hoch – aber Wohnraum auch extrem nachgefragt.“

Fortsetzung folgt …

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