Diebsteich mit Abrissbagger: Im Oktober wurde der alte Bahnhof plattgemacht. Foto: mg

Bahnhof Diebsteich ein Jahr dicht, Bahnhof Ottensen immer noch nicht eröffnet

M. Greulich, Altona

In Altona betreibt die Deutsche Bahn gerade keine Werbung in eigener Sache. Die für Mitte Dezember angekündigte Eröffnung der Haltestelle Ottensen hat sich noch einmal verschoben – und am Diebsteich hat das Staatsunternehmen den Bahnhof für S-Bahn und AKN seit Oktober ein ganzes Jahr lang gesperrt, um ihn umzubauen (das Elbe Wochenblatt berichtete mehrfach). Wer ist betroffen und was sagen die Altonaer zu diesem Bahn-Murks? Das Elbe Wochenblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

12.500
Ein- und Aussteiger
benutzten den
Bahnhof Diebsteich täglich

Wie viele Anwohner und Pendler sind von der einjährigen Schließung des Bahnhofs Diebsteich betroffen?
Viel mehr als gedacht. Der S-Bahnhof Diebsteich wird täglich von 12.500 Ein- und Aussteigern genutzt, heißt es von einer Bahn-Sprecherin auf Anfrage des Elbe Wochenblatts. Zum Vergleich: In Ottensen rechnet das Unternehmen mit 5.000 Fahrgästen pro Tag.

Ein Jahr lang soll die Buslinie 180 häufiger von und ab Diebsteich fahren. Wie klappt es mit dem „Schienenersatzverkehr“?
Elbe Wochenblatt-Leser Kilian Matzat fragt: „Wie soll man denn von hier wegkommen wenn man kein Auto hat? Gefühlt werden die Bewohner in der Straße am Diebsteich komplett vergessen, und das ist eine absolute Frechheit.“ Sehr viel längere Fahrzeiten müssen auch die Pendler einplanen, die zum Beispiel in der Paketzentrale oder im Metro-Markt arbeiten.
Volker Scharrnbeck vom Nachbarschaftsforum Diebsteich übt ebenfalls deutliche Kritik: „Der sogenannte ,Ersatzverkehr‘ ist – wie sich Nutzer äußern – keine Alternative. Die Wege sind zu weit, die Busse kommen nicht pünktlich und fahren zu selten.“

Wie ist es an der Ostseite?
Anwohner Scharrnbeck: „Ich habe an den Busstationen Kieler Straße/Waidmannstraße die Stationen beobachtet und Kunden befragt. Dort fahren drei Buslinien: 113, 115, 183 turnusmäßig jeweils alle 20 Minuten. Der 113 fährt dann Richtung Eimsbüttel/Eppendorf, kommt also als Ersatzverkehr für die S-Bahn Richtung Norden nicht in Betracht. Bleiben zwei Linien, durchschnittlich also alle zehn Minuten ein Bus. Theoretisch. Praktisch kommen die Busse oft kurz hintereinander, sodass die Wartezeit nicht selten knapp 20 Minuten beträgt.“

Hilft die HVV-App?
Nein, sagt Scharrnbeck. Kunden beklagten sich, dass man mit den von der App vorgeschlagenen Verbindungen „regelmäßig zu spät“ komme. Dazu komme noch, dass die Busse regelmäßig im Stau stünden (besonders auf der Stresemannstraße), so dass die Fahrzeit viel zu lang ist, ganz zu schweigen von den langen Wegen – der S-Bahnhof Diebsteich ist fast ein Kilometer weit von den Busstationen entfernt.

Weichen die Bahnfahrer auf die Busse aus?
Scharrnbecks Befragung hat ergeben, dass nur etwa zehn Prozent der Kunden die Busse als Ersatzverkehr benutzen.

Macht die Not erfinderisch?
Wer mehr Zeit hat, geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad zu den S-Bahn-Stationen Holstenstraße oder Langenfelde. „Andere“, hat Scharrnbeck beobachtet, „nutzen die Buslinie 288, den sogenannten ,Kaffee-Bus‘, der vom Seniorenheim am Holstenkamp fährt; zwar nur etwa ein Mal in der Stunde, dafür aber direkt zum Bahnhof Altona.“

Ist es ein Chaos mit Ansage?
Sieht ganz so aus. Die Anwohner-Initiative Diebsteich kritisiert, dass „sämtliche ,Ersatzlösungen“ nicht ausreichen. Volker Scharrnbeck: „Es zeigt, dass die betreffenden Verantwortlichen die Frequenz des ehemaligen Bahnhofs Diebsteich nicht realistisch wahrgenommen haben.“

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