Waldverjüngung sorgt für Kritik – schwere Maschinen werden für Schäden verantwortlich gemacht

Ch. v. Savigny, Rissen

Seit rund 30 Jahren findet im Forst Klövensteen an der Grenze zu Schleswig-Holstein eine groß angelegte Waldverjüngung statt: Um besser gegen den Klimawandel gerüstet zu sein, werden nach und nach Nadel- durch Laubbäume ersetzt. „Dazu gehören unter anderem Stiel- und Traubeneichen, Rotbuchen, Ulmen, Bergahorne und andere Laubhölzer“, so Mike Schlink, Bezirksamtssprecher Altona.

Das Projekt erhält viel Lob und Unterstützung – aber auch Kritik. Ausgerechnet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bemängelt nun das Vorgehen der Waldarbeiter, die zum Teil regelrecht „zerstörerisch“ vorgingen, wie Jens Sturm (Nabu Wedel) es ausdrückt. Hauptproblem sind demnach die schweren Maschinen („Forwarder“), mit denen gefällte Bäume aus dem Wald gezogen werden. Die auch als „Tragrückeschlepper“ bezeichneten Arbeitsfahrzeuge hinterlassen offenbar tiefe Gräben und sorgen für eine extreme Bodenverdichtung. „Wurzeln, Pilzgeflechte und sämtliche Kleinstlebewesen werden dadurch vernichtet“, sagt Sturm. Es dauere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis sich die Biotope regeneriert hätten.

Der Nabu Wedel plädiert für den Einsatz sogenannter „Rückepferde“, die die Stämme einzeln und schonend aus dem Gehölz transportierten. „Generell wäre es sogar am besten, den Wald komplett sich selbst zu überlassen“, so Sturm. „Dann würde die Verjüngung zwar deutlich länger dauern, aber man bekäme dafür genau die Bäume und Pflanzen, die für dieses Klima gerüstet sind.“

Pferde als Transporttiere? Die Idee findet Nils Fischer, Revierförster im Klövensteen, durchaus vorbildlich – wenn auch in diesem Fall nicht umsetzbar. „Ein gutes Pferd kann etwa einen halben Festmeter Holz bewegen, die meisten Bäume, die wir dort rausholen, sind aber viel schwerer“, sagt Fischer (ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter, d. Red.). Die Stämme zu zerteilen sei auch keine Option, da das Holz dann nicht mehr verkäuflich sei. Nach den Vorgaben des FSC (ein Zertifizierungslabel für nachhaltige Holznutzung, d. Red.) werde im Höchstfall alle 40 Meter eine sogenannte „Rückegasse“ (forstwirtschaftlicher Transportweg) angelegt. „Damit kann man leben“, so Fischer.

Nach Angaben des Bezirksamts hat der Klövensteen innerhalb der vergangenen zehn Jahre eine Viertel Million junger Bäume bekommen. Damit habe man es geschafft, 15 Prozent oder 50 Hektar der vorhandenen Nadelholzbestände in einen artenreichen und klimastabilen Laubmischwald zu verwandeln.

 

Kritische Führungen

Die Fachgruppe Wald im Nabu Hamburg lädt regelmäßig zu kritischen Führungen im Klövensteen ein. Termine: Sa, 10. Dezember, So, 15. Januar 2023, jeweils 14 Uhr. Treffpunkt Seerosenteich, Google-Koordinaten 53.617922, 9.763506

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here