Bis zum Jahresende fahren diese E-Autos noch durch Osdorf und Lurup: Der Shuttledienst ioki wird dann ab 2023 in Harburg unterwegs sein. Foto: Wolfgang Köhler/vhh

Verkehrsenator Tjarks (Grüne) in der Kritik: In Lurup und Osdorf wird weiter für den Erhalt des Shuttleservice gekämpft

M. Greulich, Hamburg-West

Als ioki eingeführt wurde, versprach der Senat nicht weniger als den „Lückenschluss im Hamburger Westen“. Davon, dass der Shuttledienst nur versuchsweise fahren würde, war im Juli 2018 nicht die Rede. Das Angebot der VHH wurde, weil die Nutzer damit sehr zufrieden waren, auf weitere Stadtteile ausgeweitet und gewann Mobilitätspreise.

Was mit uns gemacht wird,
ist diskrimierend
Gabriele Lange,
Borner Runde

Während die weißen E-Taxis in Rahlstedt und Ahrensburg im kommenden Jahr weiter fahren, wird der Dienst nun wie berichtet in Osdorf und Lurup – zwei in Hamburg einmalig schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebundenen Stadtteilen – eingestellt. „Warum hat man uns damals nicht gesagt, dass man dieses Angebot nicht dauerhaft finanzieren will?“, fragt Günter Lange (65), der mit seiner Frau Gabriele (68) ioki regelmäßig nutzt. Beide haben im Osdorfer Born Postkarten für den Erhalt des Shuttledienstes gesammelt, die in der vergangenen Woche in der Verkehrsbehörde abgegeben wurde.

„Auch wenn viele sagen, dass die Entscheidung längst getroffen und wir nichts dagegen machen können, werden wir weiter kämpfen“, so Gabriele Lange, die sich auch in der Borner Runde engagiert, weil das Gremium für gelebte Demokratie stehe. Die resolute Frau lässt sich dabei weder von einem Rheumaleiden ausbremsen, noch nimmt sie Entscheidungen nach Gutsherrenart – seien sie auch von einem Senator getroffen – einfach so hin. „Was mit uns gemacht wird, ist diskriminierend“, sagt sie.

Auf einer Busfahrt vom Osdorfer Born zum S-Bahnhof Klein Flottbek zeigt das Ehepaar Lange dem Elbe Wochenblatt-Reporter, wie es ist, sich mit einem Rollator in einen vollbesetzten Metrobus der Linie 21 zu quetschen. An diesem Dienstagmittag teilen wir uns den wenigen Platz mit einer Frau, die ihren Kinderwagen auf der gesamten Fahrt festhält. Wer jetzt noch rein will, hat Pech gehabt. Für „Heute haben wir Glück“, so Lange, „aber oft ist es so voll, dass ich nicht mitfahren kann.“

Die Langes haben eine HVV-Abokarte, so dass sie pro ioki-Fahrt einen Euro Aufschlag zahlen. Der Bringdienst Moia, der nach dem Willen des Senats ab Januar die Lücke schließen soll, ist für das Ehepaar Lange keine Alternative. „Wir wissen nicht genau, wo Moia uns abholt. Dann würden wir im Notfall noch eher mit dem Taxi fahren.“ Der Bringdienst hat nur „virtuelle Haltepnkte“, die noch mehrere hundert Meter von der Wohnung entfernt liegen können.

Die Nachricht, dass Moia die Preise zum Jahreeswechsel anheben wird, sorgt in den Stadtteilen für weitere Wut. Der als Trostpflaster vom Senat verkündete Rabatt für HVV-Abonnenten auf den Moia-Fahrpreis wäre damit aufgefressen.

Der Hamburger Landeschef des Sozialverbands SoVD, Klaus Wicher kritisiert: „Wir haben frühzeitig davor gewarnt, dass diese Entscheidung nicht im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer in Lurup und Osdorf ist – nun haben sich bereits vor dem Start unsere Befürchtungen bestätigt.“ Trotz aller Proteste habe am Ende „Verkehrssenator Tjarks aus meiner Sicht im Alleingang entschieden“, sagt Wicher. Gerade in den strukturschwachen Stadtteilen sei ioki ein gut bezahlbares Angebot, dass man sich noch leisten könne. Wicher: „Eine Preiserhöhung ist gerade in diesen Zeiten absolut fatal.“

Wie hoch die Erhöhung ausfällt, sei noch nicht bekannt. „Wahrscheinlich höher als die geplanten neuen HVV-Preise. Aus meiner Sicht hat Herr Tjarks gerade den Menschen, die wenig haben, keinen Gefallen getan. Sondern im Gegenteil dafür gesorgt, dass ihnen in Zukunft Teilhabe vorenthalten wird“, übt Wicher scharfe Kritik.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here