Kritikerin des Plans: Micky Hensel ist Barbesitzer der „Nachtschicht“. Foto: Dagmar Gehm

In der Herbertstraße sollen demnächst Urlauber übernachten

Dagmar Gehm, St. Pauli

Mitten auf der Herbertstraße, in Haus 25, sollen bald Gäste in Ferienwohnungen absteigen. „Es haben allerdings nur Männer dazu die Möglichkeit“, sagt Unternehmer Jens, der das Haus betreibt, aber seinen Nachnamen nicht preisgeben mag.

Die Frauen, die hier arbeiten, haben Respekt verdient

Micky Hensel,
Wirtin der „Nachtschicht“

Den zweiten und dritten Stock will Jens zu Ferienwohnungen umbauen. „Vier Appartments mit Bad und Küche für je sechs bis acht Gäste sind geplant, mit vier Einzelzimmern pro Appartment. Früher befanden sich dort SM (Sado Maso)-Studios, vielleicht lassen wir einige Folterwerkzeuge als Deko drin. Doch Wohn- und Bordellbereich sind völlig getrennt voneinander, mit eigenen Eingängen.“

„Die Frauen, die hier arbeiten, haben Respekt verdient“, empört sich Micky Hensel, Wirtin von der „Nachtschicht“ in der Ger-hardstraße, gleich um die Ecke von der Herbertstraße. „Doch im Suff verlieren Männer ihre Hemmungen, werden laut und interessieren sich nicht dafür, ob unten Frauen arbeiten. Die treffen Mädels auf dem Kiez und nehmen sie mit aufs Zimmer. Wer will das kontrollieren?“

Die Idee gefällt nicht jedem

Betreiber Jens, der bereits mehrere Ferienwohnungen auf St. Pauli vermietet, hält dagegen: „Es ist verboten, Frauen mitzunehmen, dagegen würden sich ja auch die Prostituierten wehren. Außerdem gibt es keine Bars in der Herbertstraße. Unsere Zielgruppe sind keine Junggesellenabschiede, sondern eher Männer ab 30, Freunde, die von Hamburgern zu einer Feier eingeladen sind.“

Geht es nach dem Unternehmer, käme der Umbau der gesamten Herbertstraße zugute: „Ich will auch den Bordellbetrieb, der wegen der Pandemie fast zum Erliegen gekommen ist, wieder aufnehmen: Mit vier Koberfenstern und Wirtschaftsräumen im Erdgeschoss sowie den Arbeitsräumen im ersten Stock.“

Lars Schütze, Vorstand IG St. Pauli, unterstützt das Vorhaben: „Für uns ist es wichtig, dass das Rotlicht und die Herberststraße als wichtiger Bestandteil des Charakters von St. Pauli erhalten bleiben. Aber wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten kann ich nachvollziehen, dass man sich neue Konzepte überlegen muss. Es arbeiten dort zu wenig Frauen, um so ein Haus wirtschaftlich betreiben zu können. Die Geschichte der Herbertstraße zeigt, dass sie auch früher mal eine Mischung aus Bordellen und Logierhäusern war.“

Mit der Eröffnung der Appartments rechnet Betreiber Jens im Frühjahr 2023. Zu buchen über ein eigenes Portal und weitere wie Airbnb.

 

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