„Kemenate“-Leiterin Davina Kronshage (l.) mit ihrem Team von Sozialarbeiterinnen im Aufenthaltsraum des Tagestreffs für wohnungslose Frauen. Foto: Dirk Andresen

Tagestreff Kemenate feiert 30-jähriges Bestehen

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Der Winter streckt seine eiskalten Finger nach uns aus – erste Minustemperaturen kriechen in die klammen Knochen. Kein Problem: ab nach Hause in die warme Bude. Doch was, wenn man keine Wohnung hat? Mehr als 2000 Menschen sind nach offiziellen Abgaben in Hamburg obdachlos, mindestens 400 davon Frauen – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Genau eine einzige Hilfseinrichtung nur für betroffene Frauen gibt es in Hamburg: der„Kemenate“-Tagestreff in der Eimsbütteler Charlottenstraße feierte jetzt 30-jähriges Bestehen.

Leiterin Davina Kronshage und ihrem fünfköpfigen Team aus Sozialarbeiterinnen ist allerdings nur bedingt feierlich zumute. „Natürlich freuen wir uns, dass wir helfen können. Aber die Tatsache, dass immer mehr und auch verschiedene Frauen in solche extremen Notlagen kommen, macht uns auch sehr traurig. Wir sind noch lange nicht am Ziel“, so Kronshage.

Täglich kommen bis zu 60 Frauen

Dabei ist das Hilfsangebot für die täglich 35 bis 60 Frauen, die an fünf Tagen in der Woche jeweils fünf Stunden Schutz, Ruhe und Hilfe suchen, schon sehr beachtlich. Die Frauen bekommen dort Essen, Trinken, können duschen und Wäsche waschen, sich eine Postadresse einrichten, Schließfächer benutzen, telefonieren und am Computer wichtige Korrespondenzen erledigen. Oder sich auch einfach mal ein paar Stunden vom täglichen, zermürbenden Existenzkampf auf der Straße ausruhen. Kronshage: „Oftmals sind die Frauen so fertig, dass sie einfach nur schlafen wollen.“

Das alles wird letztlich auf bisher insgesamt 220 Quadratmetern angeboten – deutlich zu wenig Platz, wie Kronshage aufzeigt: „Wenn wir hier wirklich voll sind, ist es schon extrem eng. Wir brauchen mindestens 300 Quadratmeter – über diesbezügliche Hilfsangebote würden wir uns sehr freuen“

In diesen Raum können sich die wohnungslosen Frauen für ein Nickerchen oder eine kurze Ruhepause zurückziehen. Foto: Dirk Andresen

Ein ganz zentrales Problem von Wohnungslosigkeit bei Frauen ist nach ihren Erfahrungen, dass sie häufig verdeckt wohnungslos sind. Sie bemühen sich, nicht als wohnungslos erkannt zu werden, entwickeln – anders als die meisten Männer – Strategien, um in dieser besonderen Lebenslage ohne institutionelle Hilfe zurechtzukommen. Der Weg zurück in eine eigene Wohnung ist zudem voller Hürden. Fehlender bezahlbarer Wohnraum, Vorurteile und Stigmatisierungen erschweren es diesen Frauen, den Weg aus der Wohnungslosigkeit zu schaffen. Deshalb finanziert der Trägerverein des KemenateTagestreffs zusätzlich mit Spenden das Projekt „FrauenWohnung“. Betroffenen wird bei der Wohnungssuche geholfen, nach dem Bezug einer Wohnung können sie zudem bis zu einem Jahr lang Beratung, Unterstützung und Hilfe beim Aufbau eines neuen Zuhauses bekommen. Wie zentral und wichtig gerade dieses Hilfsangebot ist, erklärt Projektleiterin Anja Becker: „Viele Frauen hier haben einfach keine Kraft mehr, sind quasi nur noch auf der Flucht, weil sie den oft sehr schwierigen und hürdenreichen Weg durch die Institutionen nicht mehr schaffen.“

> Kemenate Tagestreff für wohnungslose Frauen
Charlottenstraße 30,
Tel. 430 49 59
tagestreff@kemenate-hamburg.de
Instagram: kemenate_hh

 

Spendenkonto

Kemenate Frauen Wohnen e.V.
Hamburger Sparkasse
IBAN: DE17 2005 0550 1020 2130 37
BIC: HASPDEHHXXX
Verwendungszweck: „nicht zuwendungsfähige Bedarfe“

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