Reingucken kann man – von der Benutzung wird allerdings abgeraten: das vor gut 20 Jahren errichtete Toilettenhäuschen am Helmuth-Schack-See. Foto: cvs/Archiv

Warum am Helmuth-Schack-See und in der Rissener Kiesgrube weiter nur Wildpinkler
ihr Geschäft erledigen können

Von Dirk Andresen. Es war schon ein ziemliches Getöse, mit dem der Hamburger Senat im Februar diesen Jahres eine „Toilettenoffensive“ für die Hansestadt ankündigte. Für 8,5 Millionen Euro sollen bis Ende des Jahres öffentliche WCs gebaut und saniert werden, um der offenbar immer größer werdenden Gruppe der „Wildpinkler“ das Wasser abzugraben. Doch während an einigen prominenteren Standorten (Planten un Blomen, Reeperbahn 157, Alma-Wartenburg-Platz) WC-Anlagen teils aufwendig und teuer (barrierefreie Automatiktoiletten) errichtet werden, sollen andere Bewerber jetzt ganz unter den Tisch fallen.

So beispielsweise die seit Jahren nur noch als Ruinen vor sich hin gammelnden Toilettenanlagen am Bornpark (das Elbe Wochenblatt berichtete) und in der Rissener Kiesgrube. Seit Monaten schieben sich Bezirksamt, Stadtreinigung und die Behörde für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) gegenseitig die Verantwortung für den unhaltbaren Zustand an beiden Standorten zu – und es passiert nichts. Die Argumente, warum jetzt gar nichts mehr läuft: Kein Geld – trotz der von vom Senat genehmigten 8,5 Millionen Euro – und erhöhte Vandalismusgefahr. Zu Letzterem bezieht jetzt die BUKEA nun in einem Statement Stellung. Solche „Anlagen müssen grundsätzlich ohne strukturelle Betriebskosten realisierbar sein. Dies ist bei Kioskanlagen der Fall. Ein erfolgreicher Kiosk-WC-Betrieb am Standort Bornpark erscheint der BUKEA nach zweimaligem Brand des bisherigen Kiosk vor Ort nicht umsetzbar.“ In der Rissener Kiesgrube, zu der es überhaupt keine Stellungnahme einer der beteiligten Akteure gibt, offenbar ebenfalls nicht.

Umweltbehörde sieht diffuse „Angsträume“

Selbst deutlich günstigere WC-Anlagen ohne Kiosk, nur mit einer Toilettenbetreuung- und Aufsicht, seien wegen der angeblich „hohen strukturellen Betriebskosten nicht darstellbar“. Als ein weiteres Argument wird die „Vermeidung von Angsträumen“ angeführt – was genau der formulierungswütige Amtsschimmel mit dieser eher diffusen Aussage meint, bleibt offen.

Fakt ist: Auch die um Unterstützung gebetenen Wohnungsbaugesellschaften sagten jetzt endgültig „Nein“ zu einer finanziellen Beteiligung an einer Toilettenanlage. Fast schon provokant: Die Begründung dafür wollen sie erst in ein paar Monaten liefern. Der Ausschuss für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz zeigte bei seiner Tagung im November 2022 ebenfalls kaum Interesse an dem Projekt, nahm es nur „zur Kenntnis.“ Ein Insider im Altonaer Rathaus sagt es deutlicher: „Kein Geld, keine Toiletten!“

Übrigens: Die Stadtreinigung behauptet, für ein WC im Bornpark gebe es keinen tatsächlichen Bedarf. Komisch nur: Das Stadtteilgremium Borner Runde zählt bei gutem Wetter täglich bis zu 200 Besucher im betroffenen Areal am Helmuth-Schack-See, nicht viel weniger dürften es in der Rissener Kiesgrube sein. Da kommt man allein in einem warmen Sommer schon mal auf Zehntausende Gäste. Darunter dann wohl auch – quasi gezwungenermaßen – verdammt vielen Wildpinkler …

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