Ioki geht weg, Moia zu teuer: SPD setzt sich für Kleinbus-Lösung ein

Ch. v. Savigny, Osdorfer Born

Beim Thema Öffentlicher Nahverkehr hat der Osdorfer Born seit mehr als 50 Jahren das Nachsehen. Eine U-Bahn gibt es nicht, Busse in Richtung City stehen auf der Luruper Chaussee oft im Stau. Nun soll die neue S-Bahn-Linie S32 für Entlastung sorgen – doch bis diese fertig ist, wird es noch dauern. „Bis 2030 werden mit Sicherheit keine Züge fahren“, sagt Thomas Adrian, Vorsitzender der SPD-Fraktion Altona. „So lange können wir die dort lebenden Menschen aber nicht warten lassen.“ Die SPD fordert daher die Einführung einer sogenannten Quartiersbuslinie für Osdorf und Lurup. Der Startschuss für das neue HVV-Angebot soll zu Beginn des Winterfahrplans 2023/24 fallen.

Solche Preise sind für regelmäßige HVV-Nutzer nicht wirklich attraktiv
Thomas Adrian,
SPD-Altona über Moia

Schon in der Vergangenheit gab es Bemühungen, dem ÖPNV im Born auf die Sprünge zu helfen: So ist seit 2018 das Sammeltaxi-Unternehmen ioki im Stadtteil unterwegs, das HVV-Nutzer für lediglich einen Euro Aufpreis (zum S-Bahn- oder Busticket) von der Haltestelle nach Hause bringt. Weitere Vorteile: Fahrdienst rund um die Uhr, auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen werden befördert. Doch das Projekt, das laut Firmenauskunft in den vergangenen vier Jahren mehr als 600.000 Fahrgäste befördert hat, wird nicht verlängert (das Elbe Wochenblatt berichtete mehrfach). Ab Anfang nächsten Jahres soll es auf Beschluss der Verkehrsbehörde (BVM) seine Dienste im Raum Harburg anbieten. In Osdorf und Lurup wurde für den Erhalt von ioki demonstriert, derzeit läuft eine Postkartenaktion, bei der Bewohner des Stadtteils ihre Forderung per Post an Verkehrssenator Anjes Tjarks schicken.

Bezirksversammlung stimmt für SPD-Antrag

Quasi „ersatzweise“ kommt der Shuttle-Service Moia im Januar in den Born – der allerdings längst nicht so günstige Preise hat. Das Unternehmen selbst beschreibt sein Tarifmodell als „dynamisch“, das heißt abhängig von Wochentag, Uhrzeit und Anzahl der Fahrgäste. Zwischen fünf und 15 Euro müssen pro Fahrt bezahlt werden. Dennoch ist BVM-Sprecher Dennis Heinert von dem Konzept überzeugt: „Moia bedient im Gegensatz zu ioki fast das gesamte Stadtgebiet“, erklärt Heinert. „Fahrgäste haben also viel mehr Auswahl, was die Fahrtziele betrifft.“ Für SPD-Mann Adrian ist Moia allerdings keine Alternative: „Solche Preise sind für regelmäßige HVV-Nutzer nicht wirklich attraktiv.“ Die Altonaer Bezirksversammlung hat dem SPD-Antrag auf Quartiersbusse zugestimmt.

Gleichzeitig setzen sich die Altonaer Grünen für separate Busspuren auf der vielbefahrenen Verkehrsachse Stresemannstraße – Bahrenfelder Chaussee – Luruper Hauptstraße ein. „Bis zur Einrichtung der S32 ist es wichtig, ein Hochleistungsbussystem zu etablieren, das zum Umsteigen vom Auto in den Bus einlädt“, sagt Holger Sülberg, verkehrspolitischer Sprecher der Altonaer Grünen-Fraktion. Die diesbezüglichen Untersuchungen der BVM gingen hierbei genau in die richtige Richtung.

 

Quartiersbusse

Quartiersbusse sind elektrisch betriebene Kleinbusse, die auch in schmalen und für den HVV im Normalfall unzugänglichen Straßen eingesetzt werden können. Laut Verkehrsbehörde gibt es derzeit zwei Linien in Hamburg, die mit Quartiersbussen betrieben werden: Zwischen den S-Bahnhöfen Blankenese und Rissen verkehrt die Linie 388, und im Osten der Hansestadt (U-Bahn Lübecker Straße bis Schule Mittlerer Landweg) ist die Linie 530 unterwegs. CVS

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