Nach wie vor donnern Flieger über Hamburger Dächer. Foto: Panthermedia

Grüne wollen Anwohner im Westen besser schützen

Dirk Andresen, Hamburg-West

Es nervt ganz außerordentlich, wenn man schlafen will und der Abflug ins Land der Träume einfach nicht gelingen will – richtig: Lärm. Den müssen tausende Bewohner in Osdorf und Lurup offenbar immer öfter erdulden, weil sie in der Einflugsschneise des Hamburger Flughafens leben. Und weil dort die Regelung, dass nach 23 Uhr nur in absoluten Ausnahmen gestartet und gelandet werden darf, immer seltener eingehalten wird. Dagegen machen nicht nur Bürgerinitiativen sondern jetzt auch die Politik mobil. Linda Heitmann, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Altona, erhebt schwere Vorwürfe und fordert Konsequenzen.

770 Flugzeuge
starteten und landeten in Hamburg in diesem Jahr
nach 23 Uhr

Eigentlich unfassbar: 770 Flugzeuge sollen die Nachtflugregeln am Airport in Fuhlsbüttel allein in diesem Jahr gebrochen haben. Heitmann: „Für die Menschen insbesondere in Lurup und Osdorf ist der ständige Verstoß gegen das Nachtflugverbot eine riesige Belastung. Lärmschutz ist auch Gesundheitsschutz und muss in einer Großstadt mit innenstadtnahem Flughafen Priorität haben.“ Deshalb fordert die Politikerin harte Geldstrafen für Airlines, die sich nicht an die Regeln halten: „80 bis 90 Prozent der verspäteten Flüge gehen nach einer inoffiziellen Erhebung der Initiative gegen Fluglärm auf nur zwei Fluggesellschaften zurück. Der Flughafen muss die Entgelte für verspätete Starts und Landungen gerade von diesen Airlines konsequent eintreiben und im Zweifel erhöhen, um die nächtlichen Flugaktivitäten wirklich unrentabel zu machen.“ Sie nennt auch die Wurzel des Übels: „Solange es immer noch rentabler ist, möglichst viele Flüge in einem Flugplan unterzubringen, anstatt die Strafen für eine Verspätung zu bezahlen, wird die Ausnahme hier leider zu Regel. Das darf nicht sein.“

Am Airport wird Heitmanns Vorwürfen indes vehement widersprochen. Flughafen-Pressechefin Janet Niemeyer: „An unserem Airport gibt es kein Nachtflugverbot, sondern Nachtflugbeschränkungen.“ Niemeyer weiter: „Die Zahl der Verspätungen nach 23 Uhr ist ein Spiegel der branchenweiten Entwicklungen im Luftraum. Und hier befinden wir uns noch immer in einer Ausnahmesituation, weil der Luftverkehr nach den Corona-Beschränkungen sehr stark wieder angelaufen ist.“ Auch in Hamburg schlügen sich diesbezügliche Verwerfungen nieder. Dazu kämen Einschränkungen im Luftraum durch den Ukraine-Krieg. Niemeyer: „Um Verspätungen nach 23 Uhr zu reduzieren, überprüfen wir verspätete Flüge auch im Einzelfall.“

Für Grünen-Politikerin Heitmann zu wenig an Maßnahmen und Erklärungen. Sie will die im Koalitionsvertrag in Berlin vereinbarten Pläne zur Fluglärmreduzierung speziell in Hamburg konsequent durchgesetzt sehen: „Denn Lärmschutz für Anwohner muss Priorität haben – in Hamburg und bundesweit.“

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