Unterschrift für eine neue Patenschaft: Klassenlehrer Michael Kröger, Klassensprecherin Vlera, Hip-Hop-Ikone Torch und Lennart Marx, Abteilungsleiter 9. und 10 Klassen an der Ida-Ehre-Schule (v.l.n.r.). Foto: Dirk Andresen

Deutschlands erste Hip-Hop-Klasse: Mutiges Projekt der Ida-Ehre-Schule

Dirk Andresen, Hamburg-West

„Eine Kultur, die vornehmlich auf der Straße gelebt wird. Die vier elementaren Bestandteile sind Rap (MCing), DJing, B-Boying (Breakdance) und Graffiti-Writing“, kommt als Erklärung, wenn man bei Wikipedia den Begriff Hip-Hop googelt. Nicht wenige Zeitgenossen denken dabei wohl mehr an Gangster, Bling-Bling und fette Karren. Diesem eher zwielichtigen Image ist die Bewegung indes längst entwachsen. Den besten Beweis dafür liefert jetzt die 9g der Ida-Ehre-Stadtteilschule in Eimsbüttel – sie ist Deutschlands erste Hip-Hop-Klasse. Statt Naturwissenschaften und Deutsch können die Pennäler dort in ihrem Lernprofil von der achten bis zur zehnten Klasse Hip-Hop als Schwerpunktfach wählen. Pate dieses mutigen Projektes ist ab sofort kein Geringerer als Deutschlands Hip-Hop-Ikone Torch („Fremd im eigenen Land“).

Torch (51) ist auch schon Lehrbeauftragter in Karlsruhe

Eine ganze Klette von 15-jährigen Schülern umringen Frederik Hahn, so der bürgerliche Name des 51-Jährigen. Einige umarmen ihn, flachsen, aber diskutieren auch mit dem kräftigen Mann mit Raspelhaarschnitt. Lehrer statt Mucker, Erklärer statt Provokateur – die Rolle liegt dem neuen Klassen-Paten. Warum er die Sache für richtig hält, erklärt Torch (übersetzt: die Fackel) in klaren Worten: „Für mich ist Hip-Hop eine Schule, in der man sehr viel über das Leben lernen kann. Ich bin da rein, um eine Meisterschaft zu erlangen, die mir einfach besser lag, als das, was wir damals in der Schule lernten. Kommunikation, Sprache, Selbstbewusstsein und ganz viel über mich selbst – das hab ich durch und vom Hip-Hop gelernt. Inzwischen habe ich selbst Kinder, gründe Institute und bin sogar Lehrbeauftragter der staatlichen Kunstakademie in Karlsruhe – ich denke mal, kein Kunstprofessor kann ein Graffiti besser beurteilen als ich. Hip steht für das Wissen, Hop für die Bewegung. Davon möchte ich den Kids hier jede Menge vermitteln.“

Bei seinen Schülern kommt der neue Pauker jedenfalls überragend an. Der 15-jährige Kjell: „Er ist zu Recht eine lebende Legende, einer, von dem man nur mit Respekt sprechen kann. Ich habe von ihm gelernt, wie man Inhalte übermitteln kann, wie man das, was man denkt und fühlt so ausdrückt, dass andere es auch verstehen. Und ich habe von ihm viel über Toleranz gelernt, über Respekt – und warum beides im Umgang miteinander so wichtig ist.“

Idee und Umsetzung der spannenden Geschichte sind übrigens maßgeblich Klassenlehrer Michael Kröger zuzuschreiben. „Bei den Lernzielen geht es hauptsächlich um drei Fragen“, erklärt der 32-Jährige, der schon mit 16 Jahren selbst Hip-Hop-Workshops veranstaltete, den pädagogischen Sinn des Projektes. „Wer bin ich? Was kann ich? Und wie kann ich das rüberbringen? Letztendlich sollen die Schüler lernen, ihre Meinung, ihre Position zu erklären und auch entsprechend klar mitzuteilen.“

Lobenswerte Ziele, ein neuer, mutiger Lehransatz und ein prominenter Pate, der richtig Bock auf seinen Job hat: Eine vielversprechende Mixtur – in ein paar Jahren vielleicht schon für das erste Hip-Hop-Abi Deutschlands.

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