Silvia „Muck“ Cihak leitet den „Froschteich“ in der Korallusstraße. Foto: Klabuster

Interview mit Froschteich-Leiterin Silvia Cihak

Corona war keine schöne Zeit für Kinder: Lockdown, Schul- und Kitaschließungen, Freunde treffen nur unter großen Schwierigkeiten. Wenn es dann auch noch im Elternhaus nicht stimmt, dann leidet die Kinderseele. Die aktuell hohe Nachfrage bei Kinderpsychologen bestätigt diesen Befund. Im Interview berichtet Froschteich-Leiterin Silvia Cihak Elbe-Wochenblatt-Mitarbeiter Christopher v. Savigny, wie es Familien ergangen ist und wie man Kinder dauerhaft stark machen kann.

Elbe Wochenblatt: Während der Corona-Epidemie musste auch Ihre Einrichtung zeitweise schließen. Was haben Sie unternommen, um den Kontakt zu den Familien nicht zu verlieren?
Silvia Cihak: Wir haben unter anderem Lunchpakete an die Eltern verteilt, um das tägliche Mittagessen weiter zu gewährleisten. Außerdem wurde eine Kleiderkammer eröffnet. Einfach dranbleiben, Kinder und Eltern spüren lassen, dass weiterhin jemand für sie da ist. Darum ging es im Wesentlichen.

EWB: Welchen Eindruck hatten Sie von Ihren Schützlingen während der Coronazeit?
SC: Dass wir hier ein sozialer Brennpunkt sind, macht sich natürlich bemerkbar. Einige Kinder erfahren Gewalt innerhalb der Familie, unter anderem sexuelle Gewalt – das ist sehr schlimm für sie. Während Corona hat sich das noch verstärkt. Wir versuchen gegenzusteuern, indem wir den Kindern ein Zuhause geben. Kinder sollen es bei uns gut haben. Außerdem wollen wir ihnen Selbstbewusstsein vermitteln und sie auf spielerische Weise auf den „Ernst des Lebens“ vorbereiten.

EWB: Was meinen Sie damit?
SC: Zum Beispiel haben wir „Berufsfindungstage“ für unsere Grundschüler eingeführt. Vorbild ist ein ähnliches Projekt, das ich in Schleswig-Holstein gesehen habe: Die Kinder suchen sich einen Beruf aus, der ihnen gefällt – Bäcker, Friseur, Arzt, Koch, Gärtner oder was auch immer – und spielen dann einen Tagesablauf durch, so wie sie ihn sich vorstellen. Sie bekommen Spielgeld, bei dem sie sich überlegen müssen, wofür sie es ausgeben wollen. Fürs Einkaufen? Mittagessen? Kino? Man kann dabei ganz gut lernen, mit Geld umzugehen.
Das Projekt dauert eine Woche und findet jeweils in den Sommerferien statt. Außerdem wird jeden Freitag ein Antigewalttraining für Schüler angeboten. Jeweils 20 bis 30 Kinder nehmen daran teil.

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