Bernd Neumann Foto: Marwedel

Von Jörg Marwedel

HAMBURG-WEST. Das alte Klischee vom Jäger beschreibt Bernd Neumann so: „Ein sehr konservativer Mann, unzugänglich, lodengrün und nicht sehr gesellig.“ Das größte geschossene Geweih hatte als Trophäe meist eine größere Bedeutung als der Naturschutz. Bernd Neumann, Pastor im Ruhestand der Gemeinde Sülldorf, ist inzwischen der Leiter der Jäger-Gruppe Altona-Blankenese. Und er beschreibt die neue Generation der Jäger ganz anders als jene vor 25 Jahren.
2.600 Jäger gibt es derzeit in Hamburg und die Zahl wächst. Vor allem Frauen, die noch vor 15 Jahren, als Neumann mit der Jägerei anfing, höchstens fünf Prozent der Jagdscheininhaber ausmachten, werden immer mehr. Derzeit sind es über 15 Prozent, bei den Ausbildungskursen, schätzt Neumann, sind es inzwischen 33 Prozent.
Unterwegs als „Küchenjäger“

Diese Gams hat Bernd Neumann in Österreich erlegt.

Nach dem Hauptmotiv, gerne in der Natur zu sein, kommt laut einer Umfrage des Deutschen Jagd-Verbandes (DJV) schon der angewandte Naturschutz, etwa das Pflegen von Nistkästen oder Hecken und Blühstreifen an zweiter Stelle. Erst danach komme die Freude an der Jagd. Die Frauen nennen besonders häufig die Ausbildung von Jagdhunden, die sie zur Jägerei gebracht haben.
Und wo jagen die Hamburger Jäger? Es gibt Gemarkungen in Rissen, Sülldorf und Osdorf, aber auch in den Vier- und Marschlanden sowie im Alten Land. Bernd Neumann jagt in Rosengarten im Norden des Landkreises Harburg. Aber auch in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt schießen Hamburger Jäger.

Abschusspläne des Revierjägermeisters
Ihre Aufgabe ist es, das Gleichgewicht zwischen den Tierarten zu gewährleisten und den Wald zu schützen. „Die Kreisläufe der Natur funktionieren oft nicht mehr wie vor 50 Jahren“, sagt Bernd Neumann. Rehe und Wildschweine sind derzeit die Hauptziele, aber auch Waschbären und Marderhunde. Dagegen dürfen etwa der Fischotter oder der Feldhase nicht erlegt werden, weil sie in ihrem Bestand gefährdet sind. Und Bachen, tragende weibliche Wildschweine, stehen ebenfalls unter Schutz.
Die Jäger müssen sich dabei nach den Abschussplänen des Revierjägermeisters richten. Das ist im Klövensteen der „Chef-Förster“ Nils Fischer, der genau weiß, welche Tiere geschützt werden müssen und welche Überhand nehmen und etwa zu viele Triebe im Wald abfressen. Er kontrolliert die Tätigkeit der „Grünröcke“.
Die Jäger-Ausbildung dauert 200 Stunden. Man lernt nicht nur etwas über die Munition und das präzise Schießen, das einen möglichst schnellen Tod herbeiführt. Man muss sich auch mit Wildbiologie, Naturschutz, Fleischbeschau und Hygiene auseinandersetzen. So gibt es nicht nur im Klövensteen sogenannte „Wildkammern“, wo das geschossene Wild bei zwei bis vier Grad gelagert wird.

Aus Jägerperspektive: Blick vom Hochsitz Foto: Jörn Vinnen

Bernd Neumann, der durch seine österreichischen Freunde in den Alpen, wo er seit Jahrzehnten eine Berghütte besitzt, begeistert wurde, ist ein „Küchenjäger“, wie er selbst sagt. Er kocht gern und hat eine große Tiefkühltruhe in seinem Luruper Haus, in der das zerlegte Wild gelagert wird.
Der Pastor betet zwar nicht, wenn er ein Tier erlegt hat, aber die Verwandlung „von einem Lebewesen in ein Lebensmittel hat etwas sehr archaisches und ursprüngliches“, sagt er. Das Opfer bekommt dann einen Zweig als letzten Bissen ins Maul gelegt. Aber manchmal verzichtet Bernd Neumann aufs Schießen. Zum Beispiel, wenn ihm auf dem Hochsitz eine Rehmutter mit ihren niedlichen Kindern auffällt. Da kommt auch mancher Jäger an seine Grenzen.

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