Marcus Breager und Jost Vitt vor der Tür ihrer Minibar Moralia, die nur an zwei Abenden in der Woche geöffnet ist. Foto: KP Flügel

Bewusst schwer zu finden: die Minibar Moralia

K. P. Flügel, Wilhelmsburg

Die Minibar Moralia auf dem Gelände der Veringhöfe ist schwer zu finden, weil nach außen überhaupt nicht sichtbar. Keine Neonlichter weisen den Weg in die fensterlose Bar, die seit acht Jahren immer donnerstags und freitags ab 20 Uhr öffnet.
„Man muss schon drin sein, um zu wissen, was es ist. Das hat natürlich Vorteile“, sagt Barmann Marcus Braeger. „Somit gibt es keine Laufkundschaft, keinen zweiten Schub oder eine dritte Füllung der Bar, wie das andernorts der Fall ist. Verdachtsbesuche sind selten. Dafür wenig Verwechslung.“ Kennengelernt haben sich die Bar-Betreiber Marcus Braeger und Jost Vitt 2014 bei den Wilhelmsburger Kreativ- und Ateliertagen.

Das Versteckspiel ist Teil des bis jetzt funktionierenden Konzepts der Minibar. Jost Vitt verweist auf ähnliche, abseits der allgemeinen Wahrnehmung, existierende Projekte in Wilhelmsburg. „Das Archipel, die Schute auf dem Veringkanal hinter der Honigfabrik und die Soul Kitchen waren Orte, in denen außerhalb des klassischen Kosmos einfach Dinge gemacht werden konnten.“

Beide haben gute Drähte in die Kunst- und Kulturszene. Schaffen es sogar, die Minibar-Moralia-Festspiele auf die Beine zu stellen. Trotz oder gerade wegen ihrer besonderen Art der Werbung? „Bei dem Festival, das vor zwei Wochen hier stattfand, hatten wir den Flyer eine halbe Woche vorher fertig“, erzählt Marcus Braeger. „Wir haben schon immer viel auf die Botschaft vertraut, und nicht so sehr auf die Verteilung dieser. Und waren immer froh, so unter dem Radar zu sein. Selbst für Wilhelmsburger Verhältnisse.“

Letztes Jahr gastierte Jochen Distelmeyer, Sänger der Hamburger Kult-Band Blumfeld, und jetzt solo mit seinem neuen Werk „Gefühlte Wahrheiten“ im Gepäck die großen Konzerthallen füllend. Im Festival-Programm ließ er sich inkognito als Teil von Jay Master J & The Furious Dee ankündigen. „Das erste Festival fand im Rahmen des Hamburger Kultursommers statt“, erzählt Marcus Braeger und erinnert sich, dass Leute tagsüber zufällig während des Soundchecks vorbeigekommen waren. „Die konnten es gar nicht fassen, ist er das wirklich?“

An eine Ausweitung der Öffnungstage denken beide Barleute nicht. „Wir haben beide Familie, da ist das Wochenende schon wertvoller als die Werktage. Wir sind keine 20-Jährigen mehr, die sagen, jetzt wollen wir mal ein ganzes Wochenende durchballern. Wir müssen mit unseren Kräften haushalten“, sagt Jost Vitt. „In der Anfangszeit ging der Barbetrieb bis nachts um zwei, drei und manchmal sogar bis vier Uhr“, fügt Marcus Braeder hinzu und sagt lachend: „Wir wollen in den späten Nachmittag.“

<< Minibar Moralia,
Am Veringhof 21

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