Oma K. hinter einer Maske, da sie von Rechten nicht erkannt werden möchte. Foto: KP Flügel

Omas gegen Rechts gehen trotz Einschüchterungsversuchen weiter auf die Straße

KP Flügel, Hamburg-West

Als ekelhaft und widerlich empfinden die Omas gegen Rechts (OgR) die jetzt bekannt gewordenen Zitate, die aus einer internen Tonbandaufnahme aus der AfD-Bürgerschaftsfraktion stammen sollen. Die „taz“ hatte am 22. Septemberdaraus zitiert und berichtet, dass zu hören gewesen sei wie Fraktionsangehörige empfohlen hätten, „einige Problem-Nafris“ auf die Omas loslassen, um zu schauen, welche Meinung sie danach hätten. Die Bezeichnung „Nafris“ verwendete die nordrhein-westfälische Polizei nach den sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht 2015 für „Nordafrikanische Intensivtäter“. Weiter heißt es in dem Artikel, dass kichernd nachgedacht worden sei, die Omas zu „Ficki-Ficki-Seminaren“ mit „Nafris“ zu verpflichten.

Die AfD-Fraktion ließ eine Anfrage des Elbe Wochenblatts für eine Stellungnahme unbeantwortet.

Oma K., die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchhte, ist seit 2018 bei OgR aktiv. Sie sagt, dass ihre Mitstreiterinnen und sie diese Äußerungen einhellig verurteilen. Von stinkwütend bis entsetzt über die sexuellen Gewaltsprüche, die als geschmacklos und kriminell empfunden werden, reichten ihre Reaktionen. Von den Omas gegen Rechts haben einige die Nazizeit oder die Auswirkungen des Krieges noch persönlich erlebt.

K. selbst sieht im Agieren der AfD und „in den unappetitlichen Äußerungen eine kleine Spitze eines hier sichtbar werdenden riesigen Eisbergs an völkischen, rassistischen, menschen- und frauenverachtenden und demokratiezerstörenden Absichten“. Aber einschüchtern ließen sie sich durch diese Äußerungen nicht, eher würde es mehr Zulauf für die Gruppe geben.

Kein Einzelfall seien die jetzt bekannt gewordenen Aussagen. „Vor allem im Netz sind wir Anfeindungen ausgesetzt, sind sexualisierte Ausdrücke an der Tagesordnung. Auf Demonstrationen und im privaten Bereich erleben wir das auch.“ Die Aktivistin hat den Eindruck, dass die Omas zunehmend im Fokus der rechten Szene stehen. „Dadurch, dass wir auf die Straße gehen und sichtbar da sind, wo Rechte auftauchen. In den letzten Monaten waren das diese Coronaleugner, die komplett von rechten Akteuren unterwandert und gesteuert werden. Die Leute, die da hingehen, wissen das oft nicht oder wollen es nicht wissen. Die, die das veranstalten, maskieren das.“

 

Friedensdemo

Nicht bei jeder Demo ist die Abgrenzung zu Coronaleugnern zuletzt deutlich gelungen. „taz“-Autor Andreas Speit hatte recherchiert, dass bei einer Friedensdemonstration in Ottensen am 1. Oktober in Ottensen offenbar Rechte aus Querdenker-Demonstrationen in die Organisation eingebunden gewesen waren. Neben Coronaleugnern gehörten auch einige Omas gegen Rechts zu den 1.000 Teilnehmern, worüber die „Mopo“ berichtet hatte. Die OgR distanzierten sich einen Tag nach der Demo. Die Veranstaltung schien völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein. „Auch, wenn wir alle für Frieden, sichere Mieten und gegen steigende Armut sind, lassen wir uns nicht von rechtsgesteuerten Strukturen kapern“, schrieben sie.
MG

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