Fröhliches Küchenteam: Bewohner des neuen Wohnprojektes mit studentischen Betreuern. Foto: Kaune

SÜLLDORF. Weil es keine passenden Wohnmöglichkeiten für seine autistische Tochter gab, ergriff Künstler Jann Kaune die Initiative: Er suchte ein Haus für eine Wohngruppe aus behinderten und nicht behinderten Menschen und fand es im Baumweg in Rissen. Nach eineinhalb Jahren Planung, Renovierungen und einigen Umbauten zogen kürzlich sieben Bewohner ein. Am Samstag, 29. Oktober, ist von 15 bis 18 Uhr Tag der Offenen Tür.
Jann Kaunes Tochter Ella ist heute 23. Weil sie Autistin ist und weitere Einschränkungen hat, war für die Eltern klar: Sie wird nicht alleine in einer eigenen Wohnung leben können. Aber dauerhaft im Elternhaus? „Wir wünschten uns, dass sie in einem lebendigen Umfeld wohnt, wo sie bei größtmöglicher Selbstständigkeit die Unterstützung erhält, die sie bei manchen Sachen nun einmal braucht“, sagt Kaune.
Kaune sah sich Einrichtungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf an. Viele erschienen ihm und seiner Frau Ulrike als „reine Verwahrung der Bewohner, wo die Mahlzeiten die Höhepunkte des Tages darstellen“. Andere Aktivitäten? Fehlanzeige. Gute Wohnprojekte hatten jahrelange Wartelisten, oder die Bewohner waren alle um die 60 Jahre alt.
Kaune ergriff die Initiative. Seine Idee: Studierende und junge Menschen mit Unterstützungsbedarf wohnen zusammen. Die Studenten zahlen keine Miete, verbringen dafür aber Zeit mit den Bewohnern, kochen mit ihnen, machen Ausflüge, Spielabende und was sonst noch so Spaß macht. Er und seine Frau kauften dafür ein großes Haus in Sülldorf. Dort entstand ein Zuhause für ihre Tochter und vier weitere junge Menschen mit Hilfsbedarf sowie für zwei Studenten, die sich kümmern.

Schönes Umfeld: Hier wohnen sieben junge Leute zusammen.
Foto: Kaune

Wie das genau funktioniert, können sich Besucher beim Tag der Offenen Tür von Mitgliedern des Vereins Pflegebrücke erklären lassen, den Kaune und die anderen Eltern der Bewohner gegründet haben. Für das „Drumherum“ der Unterstützung sorgt der Elternverein „Leben mit Behinderung“, der schon seit 60 Jahren Familien mit behinderten Angehörigen unterstützt. Er wird ebenfalls mit Fachleuten vor Ort sein. Für den Tag der Offenen Tür wird um Anmeldung per E-Mail an mail@pflegebrücke.com gebeten. „Dann gibt‘s auch ausreichend Kaffee und Kuchen“, sagt Jann Kaune mit einem Augenzwinkern.

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