Jammen mit Schülern: Musiklehrer Gunnar Freitag (M.) mit Jamliner-Praktikantin Claire Reichwein und Winfried Stegmann, pädagogischer Leiter der Jugendmusikschule Hamburg.Foto: cvs

 

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Als der bunt gestylte ehemalige HVV-Bus auf dem Marktplatz von Kirchdorf-Süd seine Türen öffnet, schallen dem Besucher schwere HipHop-Rhythmen entgegen. Bass, Gitarre und Keyboard sind zu hören, dazu gibt ein Schlagzeug den Takt vor.
Cesor (13), Jerar, Luca und Aras (alle 12) aus der 7b der Schule Stübenhofer Weg greifen hier jeden Mittwochmittag zusammen in die Saiten, hauen in die Tasten und „lassen alles raus“, wie Luca (Bass) es ausdrückt. „Endlich dürfen wir mal machen, worauf wir Lust haben!“
Das vor über 20 Jahren gegründete Projekt „Jamliner“ will Selbstbewusstsein fördern und Musikalität wecken. Es ist für Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten gedacht. Einmal pro Woche macht der Bus mit seinem professionellen Ausstattung (neben diversen Instrumenten ist auch ein Tonstudio an Bord) Station an einem zentralen Ort im Quartier.
Vormittags finden Kooperationen mit Schulen statt, nachmittags dürfen die Schüler den Bus in ihrer Freizeit besuchen. Rund 600 Kinder und 120 Bands nutzen den Jamliner pro Jahr – mittlerweile gibt es sogar zwei Fahrzeuge. Angeleitet werden die „Jamsessions“ von erfahrenen Musiklehrern, die mit den Kids zusammen Songs entwickeln und Texte schreiben.
„Man fängt erstmal ganz klein an“, berichtet Gunnar Freitag, der nebenher Gitarre in einer Band spielt. Vier Keyboardtasten und zwei Basssaiten würden für den Anfang reichen. Dass der überwiegende Teil der jungen Besucher noch nie ein Instrument in der Hand gehalten habe, sei dabei eher nebensächlich. „Zu Beginn geht es vor allem darum, sich einzugrooven und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.“
Cesor, Jerar, Luca und Aras hören gerne Musik von deutschen Hiphoppern wie Mero und Capital. Einen Namen für ihre Band haben sie noch nicht. „Die Faker“ vielleicht – denn darum soll es in ihrem Song gehen. Die vier Jungs erzählen von TikTok und von Videos, die sie für gefaket halten. Nein, das finden sie nicht okay, sagen sie auf Nachfrage.
„Die verarschen die Leute“, sagt Aras. „Und was würdet ihr tun, wenn jemand euren Song faken würde?“, fragt Gunnar Freitag. „Das geht nicht, weil man uns nicht faken kann“, sagt Cesor. „Wir sind die Faker!“
Die Teilnahme am Projekt ist auf ein halbes Jahr begrenzt. Am Ende gibt es einen fertig produzierten Song auf CD – und den Stolz darüber etwas Eigenes geschaffen zu haben.

Der „Jamliner“ auf dem Marktplatz von Kirchdorf-Süd. Foto: cvs

Jamliner
Die zwei bunten Jamliner Busse sind ein gemeinsames Projekt der staatlichen Jugendmusikschule Hamburg und des von Reinhold Beckmann gegründeten Vereins NestWerk. Die zu rollenden Tonstudios umgebauten Busse fahren insgesamt zehn Standorte in Hamburg an.
Ziel ist es, Jugendlichen ein musikalisches Projekt zu bieten, das die eigene Kreativität fördert und wertschätzt.Innerhalb eines halben Jahres entstehen, unterstützt von Musikpädagogen, ein eigener Song und eine eigene CD.
Vormittags wird dort mit Schulen zusammengearbeitet. Nachmittags ist dann in der Regel von 15 bis 18 Uhr offene Arbeit. Die Standorte im Hamburger Süden:
<< Phoenix-Viertel, Baererplatz, immer freitags (Tel 01 76/ 23 25 57 27, Jochen Reich)
<< Kirchdorf-Süd, Marktplatz, immer mittwochs (Tel 0152/ 31 71 34 24, Gunnar Freitag)
<< Neuwiedenthal, Neumoorstück, immer montags (Kerstin Sund)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here