Frisch mit Reet eingedeckt: Wie alt Teile des Fischerhauses wirklich sind, entdeckte man erst vor ein paar Jahren. Foto: Bezirksamt Altona

BLANKENESE. Es ist wohl eines der ältesten Wohnhäuser Hamburgs: das Blankeneser Fischerhaus. Seit Anfang 2021 wird es für 3,5 Millionen Euro saniert. Jetzt feierte die Bauherrin Sprinkenhof GmbH Richtfest. Mit der Fertigstellung des 417 Quadratmeter großen Hauses ist Anfang 2023 zu rechnen.
Das Blankeneser Fischerhaus gehört zu den niederdeutschen Fachhallenhäusern. Die beiden Anbauten sind zweigeschossige „Rähmbauten“. Das Besondere: Sie wurden in einer historischen Rahmenbauweise errichtet, bei der jedes Stockwerk einzeln in „Rähmen“ konstruiert und dann gestapelt wird. Wann genau das Haus gebaut wurde, ist nicht überliefert, das Baujahr liegt aber wohl zwischen den Jahren 1700 und 1800. Das Holzgerüst von Teilen des Hauses ist sogar noch viel älter, es wird auf kurz nach 1570 datiert.
Damit gehört das Gebäude zu Hamburgs ältesten Wohnhäusern. Das war erst bei aufwendigen Vorarbeiten zur Sanierung herausgekommen, zu denen auch eine genaue Untersuchung des Bauholzes gehörten. Deshalb hatte die Sanierung erst mit drei Jahren Verspätung beginnen können.
Und die war recht aufwendig, denn alle Baumaßnahmen mussten mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden. Das hatte auch bestimmt, dass historische Bauteile nicht einfach ausgetauscht werden durften, sondern möglichst wiederhergestellt werden mussten.

Nicht zuletzt die Lage mitten im Treppenviertel war eine Herausforderung für die Baufirmen: Die Baustelle war nur zu Fuß über Treppen erreichbar, es gab fast keine Rangierflächen für Fahrzeuge.
Vor der Sanierung war das Fischerhaus von der evangelischen Kirchengemeinde Blankenese genutzt worden. Es gab eine Wohnung und eine Altentagesstätte fand Platz unter dem ausladenden Reetdach. Der Förderverein historisches Blankenese unterhielt dort bis 2017 einen Museumsraum mit historischen Trachten. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Mieter wieder einziehen und die Gemeinde wird dort wieder eine Altentagesstätte betreiben. An der Geschichte interessierte Besucher sollen das Haus aber trotzdem besichtigen können.
Die – tatsächlich lange überfällige und lange geplante – Sanierung sollte zunächst mit Geld aus dem so genannten „Corona-Wirtschaftsstabilisierungsfonds“ für notleidende Branchen bezahlt werden. Nach deutlicher Kritik des Hamburger Rechnungshofes ruderte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) aber zurück und finanzierte die Sanierung über den normalen Etat.

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