Vorgarten am Georgswerder Ring: Viele Bewohner haben die Grundstücke nach eigenen Vorstellungen gestaltet und zum Teil sogar Umbauten an den Häusern vorgenommen. Foto: cvs

Die Stadt will Sinti-Siedlung am Georgswerder Ring sanieren – doch das dauert

Ch. v. Savigny, Georgswerder

Wie geht es weiter mit den Sinti-Bewohnern am Georgswerder Ring? Seit mehr als drei Jahren bemüht sich die Hamburger Sozialbehörde, die Anfang der 1980er-Jahre gegründete Siedlung aufzuwerten und „mehr zum Stadtteil hin zu öffnen“, wie es heißt.

Dafür sollen unter anderem die inzwischen 30 Jahre alten, einstöckigen Häuser, die teilweise noch mit Kohleheizung ausgestattet sind, saniert werden. Den Auftrag dazu hat Fördern & Wohnen (F&W), ein Sozialunternehmen der Stadt Hamburg, erhalten. Voraussetzung ist der Verkauf der Immobilien von der Saga an F&W – doch damit geht es zurzeit nicht voran.

Mit Dirk Bustorf hat Fördern & Wohnen im April 2021 zunächst einen Quartiersmanager eingesetzt. Der studierte Ethnologe, der bereits Erfahrung als Leiter von Flüchtlingsunterkünften sammeln konnte, dient vor Ort als Ansprechpartner für Probleme aller Art – und als Bindeglied zwischen Bezirk, Saga und der Bewohnerschaft. Laut Jobbeschreibung ist Bustorf zudem Mietverwalter für den Georgswerder Ring – doch da F&W die Häuser noch gar nicht übernommen hat, kann er diese Aufgabe aktuell nicht wahrnehmen. „Ich übe meinen Job derzeit nur zu 50 Prozent aus“, sagt Bustorf.

Am Georgswerder Ring leben rund 140 Personen, die der Sinti-Gemeinde angehören. Seit dem Bau der Siedlung durch die Stadt Hamburg – initiiert durch den damaligen SPD-Senat unter Hans-Ulrich Klose – haben sich die Bewohner weitgehend selbst verwaltet. Im Laufe der Jahre entstanden mehrere Betriebe für Autoteile und zwei illegale (Sperr-)Müllhalden – letztere wurden offenbar inzwischen wieder geräumt. Viele Bewohner beziehen Hartz IV oder Grundsicherung. Einige verdienen sich mit kleineren Jobs etwas hinzu. Der Georgswerder Ring ist eine Sackgasse – auch das hat dazu beigetragen, dass die Sinti so lange unter sich geblieben sind.

Dirk Bustorf (F&W, l.) und Fouad Hamdan (Sozialbehörde) kümmern sich um das Projekt Georgswerder Ring. Foto: cvs

Um die Integration voranzutreiben, setzen die Stadt Hamburg und F&W jetzt auf einen „partizipatorischen Prozess“. Das heißt, die Bewohner sollen generell mitentscheiden dürfen. Doch das dauert – und dies ist neben der Ukraine-Flüchtlingswelle – wohl der wichtigste Grund für die Projektverzögerung.

„Es war und ist eine Geduldsaufgabe, die Leute überhaupt dazu zu bewegen, mit uns zu reden“, sagt Fouad Hamdan, zuständiger Referent für Bürgerbeteiligung in der Sozialbehörde. „Diese Aufgabe ist eine der schwierigsten überhaupt. Aber auch eine der spannendsten.“

 

Das sagt die Sozialbehörde

Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde, zum Thema Georgswerder Ring (hier abgekürzt mit GWR): „Heute befinden wir uns in einer Übergangsphase, in der der GWR noch im Besitz der Saga ist, aber Fördern & Wohnen regelmäßig unterstützend vor Ort präsent ist.

In der nächsten Phase ist vorgesehen, dass Fördern & Wohnen den GWR von der Saga formal übernimmt, die Grundsanierung aller Häuser startet, den GWR umgestaltet und einen Gewerbehof im angrenzenden Kleingartenweg errichtet – alles im partizipativen Verfahren.“

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Savigny,

    die Behauptung in Ihrem Artikel, die Verzögerung des Projekts hätte etwas mit dem partizipatorischen Prozess zu tun, möchte ich deutlich zurück weisen! Es gibt einen sehr regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Sinti-Community, die mit dem Projekt – welches ja auch die dringende Sanierung der Häuser beinhaltet – bereits sehr viel Geduld bewiesen hat.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Dirk Bustorf

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