„Eine kalte Kirche – das ist ein bisschen wie Open Air mit dem Vorteil, vor Wind, Regen und Schnee gut geschützt zu sein“, heißt es im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Harburg-Mitte. Foto: Panthermedia

Gemeinden müssen beim Heizen sparen – Grundtemperatur in Kirchen 5 bis 8 Grad – teilweise werden Gottesdienste auch in Gemeindehäuser verlegt

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Nicht nur, um das Klima zu schützen, sondern auch, um die kaum noch bezahlbaren Heizkosten in den Griff zu bekommen. Jeder muss mitmachen: Firmen, Behörden, Vereine, Familien – und auch Kirchen. Der für Harburg und Wilhelmsburg zuständige Kirchenkreis Hamburg-Ost empfiehlt die Temperatur in Kirchen auf 5 bis 8 Grad zu senken – auch während der Gottesdienste.

Ein Grad weniger in einer Kirche spart zehn Prozent Energie
Miriam Hansen
Kirchenkreis Hamburg-Ost,
Öffentlichkeitsarbeit

Ohne radikales Energiesparen droht den Kirchengemeinden der finanzielle Kollaps. Bei gleichem Verbrauch müsste zum Beispiel die Eißendorfer Apostelgemeinde im nächsten Jahr 60.000 Euro zusätzlich allein für Gas berappen. „Das ist ziemlich schockierend und würde unseren Haushalt echt auffressen“, sagt Pastor Burkhard Senf. Die Kirchengemeinde Harburg-Mitte käme bei gleichem Verbrauch in 2023 auf rund 150.000 Euro Heizkosten.
Es muss gespart werden, aber wo? Wärmedämmung der Kirchen ist nur bedingt möglich, denkmalgeschützte Gebäude unterliegen nicht der Energieeinsparverordnung. „Deshalb konnte bei der Dachsanierung der St. Johanniskirche 2019 nur soweit Dämmung verbaut werden, wie es nach denkmalrechtlichen Vorgaben möglich war“, weiß Pastorin Sabine Kaiser-Reis (Harburg-Mitte).

Es muss gespart werden, aber wo? Wärmedämmung der Kirchen ist nur bedingt möglich, denkmalgeschützte Gebäude unterliegen nicht der Energieeinsparverordnung. „Deshalb konnte bei der Dachsanierung der St. Johanniskirche 2019 nur soweit Dämmung verbaut werden, wie es nach denkmalrechtlichen Vorgaben möglich war“, weiß Pastorin Sabine Kaiser-Reis (Harburg-Mitte).

Zu den wichtigsten Sparmaßnahmen zählen Heizungseinstellungen, Abschaltung der Beleuchtung und das Absenken der Grundtemperatur. „Ein Grad weniger in einer Kirche spart zehn Prozent Energie, in Gemeinschaftsräumen und Büros sind es sechs Prozent“, erklärt Miriam Hansen (Kirchenkreis Hamburg-Ost). Konkrete Vorschriften kann der Kirchenkreis nicht machen, Kirchengemeinden sind eigenständig.

Im Newsletter der Apostelgemeinde schreibt Pastor Burkhard Senf: „Ein großer Heizkostenbrocken ist die Kirche – ein riesiger Raum mit dünnen Kirchenfenstern, die die Wärme leider heftig nach draußen abgeben. Wir haben die Kirche bisher immer schön warm gehabt – anders als andere Gemeinden.Das war schon immer teuer – aber das war es uns auch wert. Nun stehen uns vermutlich zwei schwere, sehr teure Winter bevor.“
Die Apostelkirche wird zunächst nur auf 16 Grad geheizt. Für die Gottesdienste wurden 50 Fleecedecken angeschafft.

In der Kirchengemeinde Harburg-Mitte werden die jeweiligen Kirchen nur für das Kindermusical-Projekt im Oktober (Pauluskirche), für vier Konzerte im Advent (Johannis- und Pauluskirche) und für die Gottesdienste am Heiligabend (Johannis-, Paulus- und Lutherkirche) auf 15 Grad geheizt. Außerdem wird es eine „Winterkirche“ geben: In St. Johannis und in der Lutherkirche werden Gottesdienste in den jeweiligen Gemeindesaal verlegt. Für jede der drei Kirchen wurden bereits zehn Wolldecken angeschafft. „Heißer Tee am Eingang ist aber auch eine Idee, die wir ausprobieren wollen“, so Pastorin Kaiser-Reis.

Die Reiherstieg-Kirchengemeinde hat es in puncto Heizung etwas besser: „Unsere Kirchengebäude werden per Fernwärme vom Energiebunker Wilhelmsburg beheizt“, sagt Pastorin Susanne Reich. „Bei uns liegen die Einsparpotentiale maßgeblich beim Heizen und beim Stromverbrauch über die Beleuchtung. Unsere Außenstrahler an der Kirche sind bereits abgeschaltet. Da wir einen gut heizbaren Kirchenvorraum haben, werden wir voraussichtlich dort die Gottesdienste abhalten, bei gut erträglichen Temperaturen. Sollte sich die Situation dramatisch verschärfen, bleibt uns die Möglichkeit, Gottesdienste und Veranstaltungen im Gemeindehaus abzuhalten.“

Und was, wenn trotz aller Anstrengungen die Energiekosten in ungeahnte Höhen steigen? Droht dann die Stilllegung von Gebäuden oder die Entlassung von Mitarbeitern? Sabine Kaiser-Reis: „Über die Entlassung von Mitarbeitenden denken wir in diesem Zusammenhang nicht nach, lieber legen wir einen Teil unserer Gebäude für die Dauer der Krise still.“

Susanne Reich: „Wir sind voller Zuversicht und Gottvertrauen, dass wir den Winter gut überstehen werden, haben bisher keine warmen Decken angeschafft und rechnen in absehbarer Zeit auch nicht mit einer Stillegung von Gebäuden unserer Gemeinde.“

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