Bald soll hier ein neuer Bahnhof hin: der Bahnsteig des bisherigen Bahnhofs Diebsteich. Foto: ms

Diebsteich: Weil der S-Bahnhof bis Oktober 2023 gesperrt ist, müssen viele Menschen weite Umwege in Kauf nehmen

M. Greulich , Hamburg-West

Ein Jahr lang wird hier keine S-Bahn halten. Das erfuhren die Anwohner des S-Bahnhofs Diebsteich durch eine Postkarte, die „eher an die Einladung zu einem Kindergeburtstag erinnert“, wie sich Volker Scharrnbeck vom Nachbarschaftsforum Diebsteich erinnert.

Kundenfreundlich geht anders
Volker Scharrnbeck,
Nachbarschaftsforum Diebsteich

Der Grund sind wie mehrmals berichtet, die Bauarbeiten für den künftigen Fernbahnhof Altona, der genau dort entstehen wird, wo jetzt der S-Bahnhof Diebsteich ist. Die Bahn baut dazu zwei so genannte „Umfahrgleise“. Dafür gibt es vom heutigen Samstag, 15. Oktober, bis Sonntag, 23. Oktober (Betriebsschluss) acht Tage lang einen Schienersatzverkehr zwischen Altona und Eidelstedt. Bis zum 16. Oktober 2023 hält am Diebsteich nur noch die Buslinie 180. Sie werde, so die Bahn in einer Pressemitteilung, in der bahnhofslosen Zeit „in den Hauptverkehrszeiten bis zu einem Fünf-Minuten-Takt verstärkt“.

Für Anwohner Volker Scharrnbeck ist das kein richtiger Ersatzverkehr. „In Wahrheit sind es ja Busse, die sowieso hier regelmäßig fahren.“ Durch die Baustelle ist der Stadtteil zerschnitten worden. Zunächst wurde der Fußgängertunnel am Friedhof Diebsteich zugemauert, nun fällt der Plöner Stieg als wichtige Querverbindung für Fußgänger und Radfahrer weg. An der Brücke haben einige von ihnen Schilder befestigt, auf denen „Geht‘s noch?!“ zu lesen ist. Für Anwohner, Beschäftigte in den umliegenden Betrieben oder Friedhofsbesucher bedeutet dies meist, ein Jahr Umwege in Kauf zu nehmen oder aufs Auto umzusteigen. Insbesondere wer Richtung Norden will, hat Pech, egal ob er auf der Ost- oder Westseite lebt oder arbeitet. Scharrnbeck formuliert an die Adresse der Bahn: „Kundenfreundlich geht anders.“

Es macht für ihn nicht den Eindruck, dass sich die Bahn für die Anwohner, von denen viele ihren Unmut über den Bau des neuen Fernbahnhofs oft zum Ausdruck gebracht hat, ein Bein ausreißt. „Vielleicht erinnern sich noch einige an die U-BahnErsatzhaltestelle, als der neue Schlump-Bahnhof gebaut wurde“, so Scharrnbeck. „Dort wurden schnell Bahnsteige aus Holz zusammengezimmert. Auf meine Anfrage bei der Deutschen Bahn diesbezüglich wurde mir lapidar geantwortet, das sei nicht vorgesehen.“

 

Prellbock für Baustopp

Die Verkehrsinitiative Prellbock Altona kämpft seit Jahren gegen die Verlegung des Altonaer Fernbahnhofs zum Diebsteich. Sie fordert, dass der S-Bahnhof Diebsteich weiterhin angefahren werden müsse. Ein barrierefreier Ausbau des S-Bahnhofs sei auch ohne Verlegung möglich. Außerdem dürfe der Plöner Stieg nicht wie geplant geschlossen werden. Da noch völlig unklar sei, wie der geplante Verbindungsbahnentlastungstunnel (VET) am Diebsteich vorbei geführt werden könne, müssten alle Bauarbeiten bis zum Vorliegen der VET-Machbarkeitsuntersuchung gestoppt werden. MG

 

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