Besucheransturm im Hamburg-Haus: 200 ältere Menschen besuchten den Eimsbütteler Seniorentag am Montag, 10. Oktober. Foto: Dirk Andresen

Eimsbütteler Seniorentag: Andrang wie noch nie beim Thema „Digitalisierung“

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Das Motto traf mitten in den Nerv der älteren Menschen. Unter dem Slogan „Gemeinsam statt einsam“ hatte der Bezirks-Seniorenbeirat (BSB) Eimsbüttel am Montag die Älteren des Stadtteils ins Hamburg-Haus zum Seniorentag geladen – und viel mehr Leute als in den positivsten Prognosen erwartet machten sich auf den Weg.

Der BSB-Vorsitzende Wilfried Röder war regelrecht von den Socken: „Mit maximal achtzig Besuchern hatten wir gerechnet, aber es sind fast 200 gekommen. Nach der langen Corona-Zeit haben die alten Menschen einfach ein riesiges Bedürfnis nach Mitteilung, Gesprächen. Und sie haben einen riesigen Informationsbedarf.“

Nach einem Grußwort von  wurden die zentralen Themen des Seniorentages „Wohnen im Alter“ und „Digitalisierung für Senioren“ in Referaten und Podiumsdiskussionen äußerst lebhaft und kontrovers bearbeitet.

„Wenn man nicht dazulernt, wird man abgehängt. Also fange ich jetzt damit an“
Vor allen Dingen den Umgang mit Tablets, Laptops und Smartphones wollen viele ältere Menschen lernen. Rentnerin U. Schütt erklärt warum. Die 82-Jährige: „Mich interessieren Themen wie Pflege und vor allem Computer und Digitalisierung. Ich habe bisher nicht mal ein Smartphone. Aber mir bleibt doch gar nichts anderes übrig, als den Umgang damit und anderem technischen Gerät zu lernen. Die HVV-Fahrpläne sind beispielsweise ab 2023 nur noch digital einsehbar, also muss ich das lernen, weil ich sonst zu Hause bleiben muss. Ähnlich ist es doch in fast allen Bereichen, wenn man nicht dazulernt, wird man abgehängt, also fange ich jetzt damit an. Aber ich weiß auch, dass viele Ältere Angst vor der Digitalisierung und ihren Folgen haben.“

Reinhold Knüppel, stellvertretender BSB-Vorsitzender, hat das ebenfalls in Gesprächen mit den Besuchern empfunden. Aber auch Folgendes: „Es gibt seit den Corona-Lockdowns ein unheimliches Bedürfnis bei den Senioren nach gemeinsamen Unternehmungen und Veranstaltungen, nach Austausch und Rat.“ Viele der zahlreichen Beratungsstände waren über Stunden am Montag, 10. Oktober, bestens besucht.

Eine Mahnung kommt vom Eimsbütteler Ehrenbürger und „Musik-im-Park-Initiator“ Gerd Mertens. Der 83-Jährige sagte: „Dieser Seniorentag war anders als die anderen. Ich habe unheimlich viel Angst bei vielen Teilnehmern gespürt. Die Energiekrise, die Preisexplosionen, der Krieg in der Ukraine, die alten Menschen sind – was die Zukunft angeht – sehr verunsichert. Und viele haben einfach auch Angst, dass sie mit ihrem Geld nicht auskommen. Auch das ist ein Grund, warum hier heute so viele nach Rat gefragt und sich so intensiv informiert haben.“

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