Von den Seeleuten gibt es oftmals Rettungsringe als Dankeschön: Jan Oltmanns im kunterbunten Foyer des „Duckdalben“-Hauses. Foto: wit

Wolfgang Wittenburg, Hamburg-Süd

Keinen Talar, kein Gewand, dafür Bart und lange, wehende Haare – wie ein Kirchenmann sieht der kumpelhafte Seemanns-Diakon Jan Oltmanns (65) so gar nicht aus. Nach 36 Jahren hat sich der Leiter und Begründer des Seemannsclub „Duckdalben“ in Waltershof in den Ruhestand verabschiedet. Der Seelsorger der Seeleute ist von Bord gegangen.

Bereits als Schüler hat Oltmanns, ein gebürtiger Ostfriese, im 5.000 Einwohner-Örtchen Esens seinem Vater, dem Pastor, tatkräftig dabei geholfen hat, die Seemannsmission Emden im Winter mit warmer Kleidung zu versorgen. 1975 heuerte er als 19-Jähriger zum Zivildienst bei der Seemannsmission Altona an.

Als Diakon kam Oltmanns mit dem Berufswunsch Bordbetreuer zur Seemannsmission und bekam den Auftrag, einen Seemannsclub aufzubauen. „Ich hatte immer eine Faszination für die große, weite Welt. Als Ostfriese, der so gar nicht gerne reisen mag, war das bei der Seemannsmission für mich gegeben. So konnte ich Menschen aus 188 Ländern kennenlernen, ohne mich aus Hamburg wegzubewegen“, so Oltmanns.

Beim Seemannsclub der Seemannsmission wird aber gar nicht missioniert. „Auch wenn der Träger die Seemannsmission Hamburg-Harburg ist, geht es weniger um Religion, als viel mehr um religionsübergreifende Werte“, erklärt Diakon Oltmanns. „Nächstenliebe und Wärme sind wichtig, und das Gefühl zu vermitteln, dass da jemand ist, der einem zuhört und hilft.“

Der Seemanns-Diakon hatte immer Augen und Ohren offen, seine „Antennen“ waren stets ausgefahren. „Am Tresen und bei der Geldüberweisung kamen die besten und wertvollsten seelsorgerischen Gespräche zustande.“

Wie ist jetzt beim Abschied die Gefühlslage? „Ich bin sehr froh, einen kumpelhaften und sehr hafenerfahrenen Nachfolger wie Sören Wichmann zu haben. Er ist als Diakon wie ich unbedingt auf Seiten der Seeleute.“ Sozialarbeit bedeutet für Jan Oltmanns unbedingt Teamarbeit – und die wurde auch ausgezeichnet: Der Club wurde 2011 zum „besten Seemannsclub der Welt“ gewählt, Diakon Oltmanns für seine Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Nun hat Jan Oltmanns, seit 45 Jahren glücklich verheiratet und Vater von drei erwachsenen Töchtern, mehr Zeit für seine vier Enkel. Zu Noah (16) und Lia (8) sind vor fünf Wochen noch seine Enkeltöchter Junis und Onna in sein Leben gekommen. „Um diese beiden zuckersüßen Deerns will ich mich in Zukunft unbedingt kümmern. Das ist für mich der beste Grund nach mehr als 36 Jahren nun endlich auch noch mit dem Rauchen aufzuhören.“

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