24 Kilometer, 23 Haltestellen: der Streckenplan der U5. Grafik: Hamburger Hochbahn

70 Prozent weniger CO2? „Komplett unrealistisch“ sagt der BUND

Ch. v. Savigny, Eimsbüttel/Hamburg

Es ist eines der größten Verkehrsprojekte der vergangenen Jahrzehnte. In Alsterdorf gaben am vergangenen Freitag Bürgermeister Peter Tschentscher, Verkehrssenator Anjes Tjarks und Hochbahn-Chef Henrik Falk den offiziellen Startschuss für den Bau den neuen U-Bahnlinie U5. Die geplante, 24 Kilometer lange Strecke führt in einem großen Bogen über die City Nord durch die Hamburger Innenstadt und weiter nach Eimsbüttel, wo unter anderem die Universität erstmals eine eigene U-Bahn-Haltestelle bekommt. Endpunkt sind die Arenen in Stellingen. Bereits für Ende 2027 ist auf dem ersten Bauabschnitt von Bramfeld bis City Nord ein Probebetrieb geplant. Die Fertigstellung der gesamten Linie U5 soll nach heutigem Planungsstand etwa 20 Jahre dauern.

Ich halte das alles für komplett unrealistisch
Paul Schmid,
BUND-Sprecher

Auch in Sachen Klimaschutz will die Hochbahn nach eigener Aussage „Maßstäbe setzen“: So soll dank „angepasster Materialmengen und Bauweisen“ rund 70 Prozent des bei solchen Projekten üblichen CO2-Ausstosses eingespart werden. Weiterhin ist geplant, nur umweltschonend hergestellte Materialien einzusetzen – zum Beispiel mit Ökostrom produzierter Stahl. Berücksichtigt wird laut Hochbahn nicht nur der vor Ort anfallende CO2-Ausstoß, sondern der gesamte Herstellungsprozess. „Der Bau der U5 ist ein Jahrhundertprojekt“, sagt Anjes Tjarks. „Die hochmoderne, automatisch und mit Ökostrom fahrende Linie wird die Mobilität für sehr viele Menschen in Hamburg verändern. Wir wollen aber nicht nur im Betrieb, sondern auch beim Bau eine Vorreiterrolle einnehmen. Deshalb haben wir die CO2-Emmissionen beim Bau erstmals zum wesentlichen Bewertungskriterium gemacht.“

„Zu teuer, zu viel Energieverbrauch“

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stößt die Planung jedoch auf große Skepsis. „Ich halte das alles für komplett unrealistisch“, sagt BUND-Sprecher Paul Schmid. So sei etwa die von den Planern erwähnte CCS-Technologie (Verpressung von CO2 in tiefere Erdschichten, d. Red.) noch gar nicht ausgereift. Auch der schleswig-holsteinische Landtag habe sich gerade erst dagegen ausgesprochen. „Diese Vorgehensweise ist also nicht nur politisch unerwünscht, sondern birgt darüber hinaus erhebliche Gefahren“, so Schmid. Auch „grüner“ Stahl sei für ihn Zukunftsmusik. Wenn schon umweltfreundlich bauen, dann möge man doch auch andere Großprojekte wie die A-26-Ost oder eine mögliche neue Köhlbrandquerung im Blick behalten. „Zu teuer, zu viel Energieverbrauch“, so Schmid. Bis das alles kompensiert sei, werde es Jahrzehnte dauern.

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