Das war mal ein Schaukasten: „Die Villa Lupi hat momentan nichts mit einem Kulturzentrum gemein. Foto: Dirk Andresen

Geplantes Kulturzentrum als lukrative Massenunterkunft zweckentfremdet?

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Der Anblick hat etwas Verstörendes. „Villa Lupi – Forum für Kunst“ steht auf dem verwitterten Schaukasten vor dem Haus im Heußweg 40. Doch statt feingeistiger Kost wartet dort ein erschütternder Anblick auf den Besucher. Die Scheibe des Schaukastens ist zerdeppert, das einstige Aushängeschild mit Farben beschmiert, im Garten stapeln sich Säcke mit stinkendem Müll, die Fenster sind mit Zeitungen verklebt, von der Fassade bröckeln ganze Mauerstücke. Die Villa, die eigentlich zu einer neuen Begegnungsstätte für künstlerisch und kulturell interessierte Eimsbütteler werden sollte, ist jetzt der stille Zeuge im Trauerspiel um ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Stadtteilprojekt.

Der Tragödie erster Teil: 1998 überließ die Stadt das Gebäude in Erbpacht bis ins Jahr 2032 der „Villa Lupi Kunstforum GmbH“, Erbpachtnehmer war bis 2015 der Sylter Immonilienkaufmann Heinrich Haase, seitdem ist es sein Sohn Matthias Haase. Doch statt– wie von der Stadt als Gegenleistung gefordert – die Villa in ein Kunst- und Kulturzentrum auszubauen, versucht dieser offenbar, möglichst viel Geld aus dem Haus herauszuholen.

Des Dramas zweite Episode: Haase soll nach Angaben von Nachbarn zunächst 5.000, inzwischen sogar mehr als 8.000 Euro Miete für das heruntergekommenen Gebäude monatlich verlangen. Im Haus sollen in Doppelbetten diverse Männer mit Migrationshintergrund wohnen. Auf Nachfragen des Elbe Wochenblattes zur ihrer Wohnsituation reagierten diese schroff abweisend bis aggressiv.

Um in Teil drei der Geschichte doch noch zu einem besseren Ende zu kommen, klinkt sich jetzt die SPD massiv in die Geschichte ein. Deren Fraktionschef in der Bezirkirksversammlung Eimsbüttel, Gabor Gottlieb, wettert: „Die Villa Lupi befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Das Gebäude leidet sichtbar. Aus der Nachbarschaft gibt es Beschwerden über Müll, Lärm und herabfallende Fassadenteile. Das Gebäude wird augenscheinlich als Wohnunterkunft genutzt und verwahrlost zunehmend.“ Christian Schütt, kulturpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, fordert deshalb: „Es gilt, gemeinsam mit der Stadt als Besitzer schnell eine Lösung zu finden und die Villa als Kulturzentrum zugänglich zu machen. Gibt es dazu keine Bereitschaft des Investors, sollte Stadt die notwendigen Schritte einleiten, um das Erbbaurecht rückabzuwickeln.“

Immerhin: Ein Antrag der SPD-Fraktion, der die Villa Lupi möglichst schnell wieder auf den Weg zu einer Kulturbegegnungsstätte bringen soll, wurde jetzt in der Bezirksversammlung mit großer Mehrheit verabschiedet.

Und auch vom Bezirksamt Eimsbüttel gibt es Druck für den widerspenstigen Erbpächter. Bezirksamtssprecher Kay Becker bestätigte dem Elbe Wochenblatt: „In der Bauaufsicht haben wir drei Verfahren zur Herstellung ordnungsgemäßer Zustände dort eingeleitet. Zwei davon wurden eingestellt, ein drittes Verfahren wegen einer ungenehmigten Nutzung läuft allerdings noch.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here