Geriet in den Fokus der Verbraucherschützer: Die Haspa, hier die Filiale am Eidelstedter Platz. Foto: Andresen

Verbraucherzentrale erreichten viele Beschwerden über die Haspa: Sollen Kunden ins Online-Banking gezwungen werden?

Dirk Andresen, Hamburg-West

Das Alarmzeichen könnte schriller kaum sein: Die Verbraucherzentrale Hamburg meldet, dass sie derzeit zahlreiche Beschwerden über die Hamburger Sparkasse erhält. Tenor: Die Kunden beklagen sich, dass sie in ihren Filialen keine Überweisungsvordrucke mehr erhalten. Auf Nachfrage wurden die meisten von ihnen an das Telefon- und Online-Banking-Angebot verwiesen. Gerade viele ältere Kunden sind verunsichert. Nach den immer neuen Schließungen vieler Bankfilialen in den Stadtteilen – seien es Haspa, Postbank, Commerzbank oder andere Geldinstitute – droht jetzt der nächste Hammer.

Für Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg jedenfalls liegt die Absicht der Haspa-Manager auf der Hand: „Die Vermutung liegt nahe, dass die Hamburger Sparkasse auf diese Weise ihre Kundinnen und Kunden zwecks Kostensenkung in das Online-Angebot überführen will.“ Es entstehe der Eindruck, dass sich die Haspa so beratungsintensiver Kunden in den Filialen entledigen wolle.

Das sagen Haspa-Kunden

Das Elbe-Wochenblatt befragte Haspa-Kunden nach ihrer Meinung. Perego Wether (68), seit Jahren Kunde bei der Haspa am Eidelstedter Platz: „Jetzt auf Teufel komm raus auf Online-Banking umzustellen, kommt viel zu früh. Ich komme damit zwar zurecht, aber ich sehe auch, dass viele alte Menschen damit gar nicht klarkommen. Eine Sparkasse sollte doch mit ihren Dienstleistungen allen Kunden zur Seite stehen, nicht nur denen, bei denen es besonders kostengünstig ist.“

Faruk Cato (26), seit vier Jahren bei der Haspa-Filiale Osterstraße in Eimsbüttel und von Beruf Altenpfleger: „Für mich persönlich ist Online-Banking ideal. Aber ich sehe in dem Heim, in dem ich arbeite, viele ältere Menschen, die damit sehr große Probleme haben. Ich helfe denen dann, wie ich kann, fahre auch mal mit in eine Bankfiliale, um dort zu unterstützen. Aber ich weiß auch von meiner eigenen Oma, welche Schwierigkeiten sie mit Computern hat. Vielen älteren Menschen, die allein leben, geht es doch genauso.“

Edeltraud F. (72), Kundin in der Bahrenfelder Haspa-Filiale in der Gasstraße: „Ich finde es unmöglich, wenn es keine Überweisungsvordrucke mehr gibt, echt bescheuert. Wir werden zu etwas gezwungen, das wir nicht können und wollen.“

Die Haspa weist solche Pläne von sich: „Die Haspa ist sowohl in ihren 100 Nachbarschaftsfilialen als auch telefonisch, per Mail und Videochat in ihrer Direktberatung persönlich für ihre Kunden da. Das gilt auch für klassische Services wie beleghafte Überweisungen. Insofern ist die Aussage der Verbraucherzentrale auch nicht korrekt“, teilte Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg mit.

 

Das rät die Verbraucherzentrale

Laut Verbraucherzentrale behauptet die Haspa, dass weiterhin Überweisungsvordrucke per Post oder in den Filialen zu erhalten sind. Die Verbraucherzentrale rät zu folgendem Vorgehen, wenn dem nicht so ist:

Schreiben Sie per Post oder Mail an den Kundenservice der Haspa folgende Aufforderung:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
am (Datum einsetzen) habe ich in der Haspa-Filiale (Anschrift einsetzen) auch auf Nachfrage bei den Mitarbeitern in der Filiale keine Überweisungsvordrucke erhalten. Dabei versicherte die Hamburger Sparkasse in einer Mail vom 17. August 2022 gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg, dass Kundinnen und Kunden auch weiterhin jederzeit beleghafte Überweisungsvordrucke in der Filiale erhalten.
Ich fordere Sie daher auf, in der Filiale (Anschrift einsetzen) Überweisungsvordrucke in ausreichender Zahl für Kundinnen und Kunden zur Verfügung zu stellen.“

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