Der Eimsbüttler Spieleautor Christoph Cantzler hat das Spiel „Gute Besserung“ zusammen mit der UKE-Ärztin Sigrid Harendza entwickelt. Foto: cvs

Eimsbüttler Spieleautor Christoph Cantzler und
UKE-Professorin Sigrid Harendza haben ein
Gesellschaftsspiel über den Krankenhausalltag entwickelt

Ch. v. Savigny, Hamburg. Die Patientin in Bett 3 benötigt dringend eine Infusion? Wird umgehend erledigt! Der kürzlich aufgenommene Privatpatient möchte in ein Einzelzimmer verlegt werden? Könnte schwierig werden: Denn gerade wurde eine weitere Person eingeliefert, die wahrscheinlich isoliert werden muss. Sind genügend Spritzen und Verbandsmaterial vorrätig? Falls nicht, gibt es womöglich Minuspunkte.
Rund um den ganz normalen Krankenhausalltag dreht sich ein Gesellschaftsspiel, das der Eimsbüttler Spieleautor Christoph Cantzler zusammen mit der Medizinerin Sigrid Harendza vom Uni-Krankenhaus Eppendorf (UKE) entwickelt hat. Vereinfacht gesagt geht es darum, die über die Notaufnahme aufgenommenen Patienten möglichst schnell und adäquat zu versorgen und bei nächster Gelegenheit auf die passenden Zimmer zu verlegen.
Dabei gilt es, nicht nur den medizinischen Aspekt im Auge behalten, sondern auch, ob der Patient sich wohlfühlt und ob die pflegerischen und ärztlichen Resourcen ausreichen. Und nicht zuletzt, ob auch genügend Einnahmen hereinkommen. „In meiner Arbeitswelt als Oberärztin prallen täglich die vier Stellgrößen Budget, Patientenzufriedenheit und Arbeitskraft des pflegerischen und ärztlichen Personals aufeinander, mit denen ich jonglieren muss, damit ich den medizinischen Erfordernissen entsprechend handle und trotzdem alle Perspektiven im Blick behalte“, erklärt Professorin Harendza den Hintergrund des Spiels.

Sigrid Harendza arbeitet als Oberärztin am UKE Eppendorf und gab den Anstoß zum „Krankenhaus-Spiel“.
Foto: Claudia Ketels

Das Spiel „Gute Besserung“ oder auch „Das Krankenhaus-Spiel“ wendet sich an bis zu vier Mitspieler ab zehn Jahren, die jeweils in die Rolle eines Oberarztes oder einer Oberärztin schlüpfen. Pluspunkte in Form von Smiley- und Eurokarten werden unter anderem für gute medizinische Versorgung und für sinnvolles Bettenmanagement verteilt. Ziel ist es allerdings nicht nur, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten (also kein Krankenhaus-Monopoly!), sondern auch und insbesondere, das Wohlergehen und die Zufriedenheit der Patienten im Blick zu behalten.
Dass es lediglich eine Aufnahmestation sowie zwei Doppel- und ein Einzelzimmer gibt, konzentriert dabei den Blick auf das Wesentliche. Praktisch: Der kleine Spielekarton (rund zehn mal zehn mal vier Zentimeter) kann problemlos überallhin mitgenommen werden – allerdings sollte man zum Stapeln und Ablegen der vielen Spielkarten (insgesamt 128) genügend Platz einkalkulieren.
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Interview mit Spieleautor Cantzler
Wie wird man Spieleautor?
Christoph Cantzler: Eine Berufsvorbereitung oder entsprechende Ausbildung gibt es in dem Sinne nicht. Ich bin also Autodidakt! Studiert habe ich Politikwissenschaften – allerdings nur ein Semester lang.

Warum? Hat es Sie nicht interessiert?
Ganz im Gegenteil, ich fand es sogar sehr interessant. Aber ich wollte etwas Praktisches tun, etwas, wovon ich von vornherein überzeugt war. Außerdem wollte ich Geld verdienen.

Wie ging es dann weiter?
Zunächst habe ich Drehbücher und Theaterstücke geschrieben. Dass sich das Ganze dann in Richtung Gesellschaftsspiele entwickelt hat, ist großenteils dem Zufall zu verdanken: Im Grunde habe ich ein Stück, das zuvor abgelehnt worden war, zu einem Spiel weiterentwickelt.

Wie hieß ihre erste Veröffentlichung?
Mein erstes Spiel ist 1997 herausgekommen. Es hieß „Doppel-Pack“ – ein Kartenspiel, das an Memory angelehnt ist. Doppel-Pack war eine Auftragsarbeit für BMW und den Deutsches Spielemuseum Verlag.

Wie viele Spiele muss man als Spieleentwickler rausbringen, um davon leben zu können?
Im Durchschnitt produziere ich vielleicht zehn Spiele pro Jahr – oft auch im Team, wie zum Beispiel im Fall des Krankenhaus-Spiels. Aber das ist gar nicht der wesentliche Punkt: Hauptsächlich kommt es darauf an, dass die Sachen möglichst lange im Programm bleiben und nicht gleich wieder in der Versenkung verschwinden. Denn die erste Auflage eines Spiel deckt nur sehr selten die Kosten.

Woran merkt man als Autor, ob ein Spiel funktioniert?
Wenn man es schafft, für die einzelnen Spieler regelrechte Rollen zu erfinden, mit denen sie sich identifizieren können, dann ist schonmal ein großer Schritt getan! Und natürlich darf es mich selbst nicht langweilen – anderenfalls wird sich auch sonst niemand dafür begeistern.

Haben Sie eigentlich Spieletester?
Natürlich! Wir lassen unsere Spiele zum Beispiel gerne von Kita-Kindern ausprobieren, weil man von dort ganz ehrlich und unverstellt Rückmeldung bekommt. Das größte Lob ist dann am Ende, wenn die Einrichtung das Spiel gleich dabehalten will!

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