Blankeneser Kirche am Markt: Die Gasheizung wird nur bei kalten Temperaturen zur Pelletheizung dazugeschaltet. Foto: JÖM

Von Jörg Marwedel

Noch weniger Gottesdienstbesucher und Schäden an wertvollen Orgeln – das könnten die Folgen des Energiesparkonzeptes der Kirchen sein, fürchten Gemeindevertreter. Die Orgeln könnten bei deutlicher Absenkung der Temperaturen in den Gotteshäusern unter Feuchtigkeit und Schimmel leiden. Und die Flottbeker Pastorin Carina Lohse spricht aus, was viele Kolleginnen und Kollegen denken: „Wer kommt schon, wenn in der Kirche nur noch fünf Grad sind?“
Die Nordkirche und der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein haben in einer 24-seitigen Broschüre mit dem Titel „Klimaschutz-Aufbruch 2022“ den Gemeinden Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben, in der es wohl nicht nur um Klimaschutz geht. Denn darin steht: Wegen der stark gestiegenen Preise soll der Energieverbrauch „um mindestens 50 Prozent“ gesenkt werden.

Das bedeutet: in den meisten Kirchen wird bei den Gottesdiensten wohl kaum mehr als 12 Grad Raumtemperatur erreicht werden können. Viele Gemeinden – wie die Maria-Magdalena-Kirche im Osdorfer Born – legen deshalb schon mal Decken bereit. Schon wegen der Corona-Ansteckungsgefahr werden die Räume alle 20 Minuten gelüftet. Andere, wie etwa die Christus- und Apostelkirche in Eimsbüttel, werden wegen „des Wirtschaftskrieges“ (Pastorin Nina Schumann) zwischen dem Westen und Russland vom 8. Januar bis 2. April eine „Winterkirche“ einrichten: Dann sollen die Gottesdienste in den Gemeindehäusern stattfinden. Wer über mehr Geld verfügt, wie etwa Nienstedten, hat probehalber schon einmal Sitzheizungen bestellt.

Kirchenkreis: Drastische Einschnitte erforderlich
Die laut Kirchenkreis „in sehr kurzer Zeit“ erforderlichen „drastischen Einschnitte, und zwar von allen“ sehen zur Senkung von Strom-, Heizenergie- und Wasserverbrauch für die Gemeinden vor: Sie sollen am Energiecontrolling teilnehmen, unnötigen Mehrverbrauch sowohl an Gebäuden als auch an Brennstoffen oder Produkten reduzieren, langfristig die Gebäude besser dämmen und möglichst auf erneuerbare Energieträger umsteigen.
Die Altonaer Hauptkirche St. Trinitatis hat es in puncto Heizung etwas besser: Sie ist an die Fernwärme angeschlossen. In der Blankeneser Kirche am Markt gibt es ein Heizsystem mit Pellets und Gas. Das Gas wird bei kalten Temperaturen dazugeschaltet und ist entsprechend teuer.
Überhaupt wird in vielen Gemeinden „intensiv“ (Pastorin Lohse) über Dämmung, neue Heizformen und Solardächer diskutiert. Die meisten Gemeinderäume sind inzwischen auf 19 Grad heruntergeregelt, Kirchtürme werden nicht mehr angestrahlt. In der St. Trinitatis-Gemeinde wurden 125 Leuchter gegen Sparlampen ausgetauscht. Und, so Gemeindevorstand Karin Sprenger, die Mitarbeiter dazu angehalten, „dass Türen geschlossen werden und ein überflüssiger Kühlschrank nicht angeschaltet ist.“

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