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Stellinger Jörg Wischnauski verdient sein Geld als Splatter-Schauspieler

KP Flügel, Stellingen

Wenn Jörg Wischnauski den Langenfelder Damm herunterschlendert, vermutet niemand, dass er in sogenannten Splatter-Filmen mitspielt. Extrovertierte Selbst-Inszenierung ist ihm fremd. Wie kommt er dazu, in nicht jugendfreien Filmen zu spielen, in denen viel Ketchup fließt und nicht selten mit der Geflügelschere hantiert wird?

Der Stellinger arbeitet aus einem einfachen Grund in diesem Genre: Andere Rollen werden ihm gerade nicht angeboten. „Bei einem Rosamunde-Pilcher-Film wäre ich sofort dabei“, sagt der 42-Jährige In die Splatter-Szene ist er zufällig vor fünf Jahren reingerutscht. „Ich bin angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könne, in einem Marian-Dora-Film mitzuspielen.“ Dieser Regisseur gilt in Fachkreisen als „Meister des Ekelfilms“.

Die Schauspielerei hat ihn schon seit Langem angezogen. Erste Erfahrungen sammelte er in der Theatergruppe der Eidelstedter Christuskirche und als Komparse in TV-Filmen und Werbeclips. „Ich bin vor der Kamera recht hemmungslos. Ich spiele halt sehr gerne. Welche Rolle, das ist mir fast egal. Mit der Richtung dieser Splatter-Filme hatte ich bis dahin nicht viel am Hut.“

„Kein Wohlfühlstoff“

Wie sieht es mit seinem Rollenverständnis aus? „Ich schlüpfe tatsächlich in die Rollen rein. Diese sind ganz abseits meiner Persönlichkeit. Im Alltag schlüpfe ich in keine Rolle. Da spiele ich keinen anderen Menschen, der ich nicht bin. Da bin ich nicht böswillig oder mache mich selbstsicherer.“

Gerade sind die Dreharbeiten für den Film „Thanatomania“ des Flensburger Regisseurs René Wiesner beendet worden, in dem Jörg Wischnauski die Hauptrolle spielt. Weitere Darsteller sind unter anderem Dietrich Kuhlbrodt, Brian Trenchard-Smith und Uwe Boll. „Der Film wird jetzt geschnitten und erscheint nächstes Jahr auf DVD. Es ist ein Underground-Drama. Ich spiele einen sehr zurückgezogenen, depressiven Charakter, der vom Tod sehr fasziniert ist. Der Film ist kein Wohlfühlstoff.“

Nach anstrengenden Drehtagen entspannt der in Eidelstedt aufgewachsene und jetzt in Stellingen an der Kieler Straße lebende Jörg Wischnauski am liebsten durch spätes Aufstehen, anschließendes Einkaufen und ausgiebiges Fernsehschauen. Oder er setzt sich im Niendorfer Gehege auf seine Lieblingsbank, trinkt mitgebrachten Kaffee und genießt die Natur. So gewinnt er Abstand. Denn mit seiner Filmrolle mag er sich nach Drehschluss nicht mehr auseinandersetzen. Nur zu verständlich.

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