Schnelle ein, zwei Dachpfannen austauschen - dafür kommt heutzutage kaum noch ein Dachdecker. Das nutzen Betrüger aus. Foto: Panthermedia

HAMBURG. Sie klingeln unangemeldet, bieten kleine Reparaturen an – und zocken dann ab oder stehlen bei Gelegenheit Dinge aus Wohnungen: Die Flottbekerin Marlies Spangenberg wurde Opfer falscher Dachdecker. Typische Masche der Betrüger: Der Handwerker gibt vor, er sei auf einer benachbarten Baustelle tätig, habe zufällig einen kleinen Schaden am Haus entdeckt.
16.45 Uhr im Vorbeckweg: Es klingelt, Marlies Spangenberg öffnet die Tür. Dort steht ein junger Mann – weißes T-Shirt , Arbeitshose – und stellt sich als Dachdecker von der Baustelle nebenan vor. Er habe kaputte Dachziegel auf dem Spangenbergschen Dach ausgemacht, die abrutschen könnten. Er könne den Schaden gegen 50 Euro für die Kaffeekasse mal schnell reparieren, falls sonst niemand parat stehe, dies zu tun – ein Angebot, das Marlies Spangenberg gern annimmt. Wasser und Leiter gibt sie aber nicht heraus, der falsche Handwerker beteuert, kein Problem, das besorge er sich anderweitig.
„Ich empfand das als okay, weil ich ja bestimmt keinen Handwerker finden würde, der für so eine Bagatelle bei mir auf das Dach klettert“, erklärt Marlies Spangenberg.
Und so stieg der Mann zusammen mit einem Zweiten aufs Dach, zeigte noch bröseligen Zement vor und fand eine zweite reparaturbedürftige Stelle, die er für 200 Euro gleich mitmachen würde.

Nachbar wurde bestohlen
Alles schien gut gelaufen zu sein, bis Marlies Spangenberg abends von ihrem 80-jährigen Nachbarn erfuhr, dass dieser nach einer Leiter für die Reparatur des Nachbardaches – also ihres – gefragt und nach einem Gang durch die Wohnung bestohlen worden war. „Die Männer beschrieb er als ausgesprochen höflich“, erinnert sich Spangenberg.
Die Betrüger hatten offenbar die ganze Nachbarschaft abgeklappert: Es stellte sich heraus, dass sie auch im Flottbeker Drift unterwegs gewesen, dort aber an den Falschen geraten waren: Der Hauseigentümer war selbst Dachdecker. Und als er auf der Baustelle seines Bruders im Vorbeckweg helfen wollte, begegneten ihm die falschen Dachdecker schon wieder: Sie hatten versucht, sich dort eine Leiter zu leihen.
Marlies Spangenberg hat Betrug und Diebstahl beim Nachbarn bei der Polizei angezeigt. Kein Einzelfall, bestätigt Polizeisprecher Thilo Marxen. Solche Taten kämen nahezu täglich in allen Hamburger Stadtteilen vor. Manchmal bäten die Betrüger auch um ein Glas Wasser oder Zettel und Stift, um einem Nachbarn angeblich eine Nachricht zu hinterlassen.
Es seien auch falsche Wasserwerker unterwegs, die den Wasserdruck prüfen wollten oder Ähnliches.
Marxen rät: „Lassen sie keine fremden Personen ohne Terminabsprache ins Haus. Ziehen sie im Zweifel Nachbarn oder Vertraute hinzu, lassen sie sich Dienstausweise zeigen und rufen sie im Zweifel sofort die Polizei unter 110.

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