Bald ohne Kindergarten: die St. Simeon-Gemeinde in Osdorf. Foto: Marwedel

Von Jörg Marwedel

OSDORF. Sie gilt als Kleinod in Alt-Osdorf, die Kita der Kirchengemeinde St. Simeon. Seit knapp 20 Jahren leistet die Gemeinde mit ihrem evangelischen Kindergarten einen wichtigen Beitrag zur Betreuung der zwei- bis sechsjährigen Kinder in diesem Stadtteil. Ab Juli 2023 soll es damit vorbei sein: Der Gemeinderat hat beschlossen, die Räume unterhalb des Gemeindesaals in der Dörpfeldstraße wegen „Eigenbedarfs“ nicht mehr zur Verfügung zu stellen. 25 Kinder und ihre Betreuer sitzen dann auf der Straße. Denn neue Räume sind nicht leicht zu finden. Eine Erzieherin soll schon gekündigt haben.
„Die Eltern sind aufgebracht und fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt die Elternvertreterin Sabine Kühn. Den Kindergarten rausschmeißen – geht das denn so einfach? So einfach ist es nicht, bestätigt Kühn, eine Begründung brauche eine Kündigung schon. Pastor Martin Ahlers, der auch Vorsitzender des Gemeinderates ist, habe sich bei der Begründung der Kündigung „gewunden wie ein Aal“. Der offizielle Grund: ein nicht näher bezeichneter „Eigenbedarf“
Im Gemeindebrief, der am 15. September in Osdorf verteilt werden soll, will Pastor Ahlers erstmals Argumente für die Entscheidung liefern. So heißt es dort, man erwarte bis 2030 durch den Rückgang der Kirchenzugehörigkeit „einen Rückgang der finanziellen Mittel um ein Drittel“. Die Räume sollen künftig vielseitiger und von mehreren Altersgruppen genutzt werden. Obwohl, wie Ahlers einräumt, die Pläne noch nicht konkret seien.
Die Idee ist: es sollen dort „Begegnungsräume“ entstehen, in denen sich „Jugendliche treffen und wohlfühlen können“, ebenso Erwachsene und Familien mit Kindern.

Mit Bannern wirbt das Kita-Werk für die evangelischen Kindertagesstätten. Foto: Marwedel

Den Auftrag, „Kinder mit Gott groß werden zur lassen“, wolle man trotzdem umsetzen. Offenbar aber ohne Kindergarten.
Die betroffenen Eltern können das alles nicht nachvollziehen. Sabine Kühn vermutet eher Dissonanzen zwischen dem Gemeinderat und dem Evangelischen Kita-Werk Hamburg West/ Südholstein, das insgesamt 73 Einrichtungen dieser Art verantwortet.
Das Kita-Außengelände mit Hochbeeten, welche die Kinder selbst bepflanzt haben, ist dann überflüssig. Ahlers vertraut darauf, dass das Kita-Werk mit seinen vielen Einrichtungen in der Nähe den Familien gute Angebote macht. Etwa am Windmühlenweg, in der Seestraße und neben der Führungsakademie.
Dass das Kita-Werk in dieser kurzen Zeit neue Räumlichkeiten in Osdorf findet, scheint jedenfalls sehr fraglich.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here