Schaulustige machen Fotos von einem dicken Pott: Anwohner und Naturschütze sehen die Kreuzfahrtbranche kritischer. Die Aidaperla, die auf diesem Archivbild zu sehen ist, nutzt inzwischen Landstrom.Foto: Archiv/mg

Heftige Kritik an schwimmenden Klimasündern und Verschwendungssucht der Branche

Dirk Andresen, Altona

Für nicht wenige Zeitgenossen sind Sie die „Königinnen der Weltmeere“. Gerade erst waren fünf Kreuzfahrt-Riesen die Hauptdarsteller der diesjährigen Cruise Days im Hamburger Hafen. Für immer mehr Menschen sind die Luxus-Liner indes nichts anderes als schwimmende Klima-Killer, die mit extrem umweltschädlichem Schweröl angetrieben mehr verpesten als Vergnügen schaffen. Jetzt nehmen Linke, Nabu und eine neue Bürgerinitiative die Kreuzfahrtbranche ins Kreuzfeuer.

Die Cruise Days sind eine reine
Werbeveranstaltung für die
Kreuzfahrtindustrie. Wir werden auf jeden Fall versuchen, Künftig ein noch wirkungsvolleres Bündnis mit Linken, dem Nabu und anderen Gleichgesinnten dagegenzustellen
Andreas Gutmann,
Bürgerinitiative „Hafen
Hamburg Landstromkontrolle“

Der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg klagt an: „Dass vier der fünf Schiffe bei den Cruise Days mit Schweröl ausgestattet sind, wird aus Profitgründen nicht geändert, obwohl der Umstieg auf den umweltfreundlicheren Marine-Diesel ohne technische Anpassung möglich ist. Das Verbrennen von Schweröl ist deshalb extrem schädlich, weil die Schiffe nicht nur Unmengen an CO2, sondern auch Schadstoffe wie Feinstaub, Ruß, Schwefel- und Stickoxide ausstoßen. Vor dem Hintergrund der Energiekrise sollte man solche Events kritischer hinterfragen.“

Noch härter schlägt die Bürgerinitiative „Hafen Hamburg Landstromkontrolle“ bei ihrer Kritik zu, die zudem anprangert, dass ebenfalls nur einer der fünf Ozeanriesen bisher und in absehbarer Zeit umweltfreundlichen Landstrom nutzt. Ihr Sprecher Andreas Gutmann zum Elbe Wochenblatt: „Die Vertreter der Kreuzfahrtindustrie haben uns schon 2021 gemeinsame Gespräche über eine umweltfreundlichere Weiterentwicklung ihrer Branche versprochen, passiert ist diesbezüglich gar nichts, das ist empörend und sehr, sehr schade.“

Auch die aus seiner Sicht viel zu laschen zuständigen Behörden bekommen von Andreas Gutmann ihr Fett weg: „Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier bei einem sehr lukrativen Geschäftszweig beide Augen zugedrückt werden.“ Die Linken in der Hamburger Bürgerschaft kritisieren speziell die soziale Kluft zwischen den aktuell in der Energiekrise um ihre Existenz kämpfenden Menschen und der verschwenderisch-klimaschädlichen Cruise-Branche.

Linken-Sprecher Stephan Jersch kritisiert: „Während die Hamburger zum Stromsparen aufgefordert werden und über Duschwasser diskutiert wird, wird hier ein Event veranstaltet, bei dem die Energieversorgung auf Hochtouren läuft.“

Andreas Gutmann sagt: „Die Cruise Days sind eine reine Werbeveranstaltung für die Kreuzfahrtindustrie. Wir werden auf jeden Fall versuchen, künftig ein noch wirkungsvolleres Bündnis mit Linken, dem Nabu und anderen Gleichgesinnten dagegenzustellen.“

1 KOMMENTAR

  1. Moin und vielen Dank für den Artikel über die CruiseDays
    Ich möchte nur darauf hinweisen, dass „Landstromkontrolle“ unabhängig von allen Parteien und Organisationen ist.
    Wir stehen allen Anwohnern (und Bewohnern anderer Stadtteile ) offen, die sich für mehr Klimaschutz und ganz besonders
    für die Gesundheit der Hafen-/Elbanwohner einsetzen.
    HP Henker
    #Landstromkontrolle

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