Mathias Dahnke arbeitet als Pastor bei der Maria-Magdalena-Gemeinde im Osdorfer Born. Foto: cvs

Trotz Corona und Ukrainekrieg: Die Tafeln in Lurup und
im Osdorfer Born kommen noch einigermaßen über die Runden

Ch. v. Savigny, Lurup/Osdorfer Born

Erst Corona, jetzt Ukrainekrise: Die vergangenen zweieinhalb Jahre haben Hamburgs Lebensmittel-Ausgabestellen auf eine harte Probe gestellt. Vielerorts wurden Aufnahmestopps verhängt, weil die Betreiber den Andrang nicht mehr bewältigen konnten. Inzwischen werden auch die Lebensmittel knapp. „Insbesondere bei Obst, Gemüse, Wurst und Frischfleisch ist das augenfällig“, sagt Mathias Dahnke, Pastor der Maria-Magdalena-Gemeinde im Osdorfer Born.

Auf unserer Warteliste stehen 100 Personen, und wöchentlich kommen fünf bis zehn neue hinzu
Agnes Mens,
Leiterin Luruper Tafel

Seit 2007 existiert hier eine „Tafel“, die Essbares an Bedürftige – Arbeitslose, Rentner, Hartz-IV-Empfänger – verteilt. Doch das Angebot ist zusammengeschrumpft, weil die meisten Supermärkte inzwischen besser wirtschaften und beispielsweise Waren, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum stehen, zu vergünstigten Preisen anbieten. „Die Leute sind weniger wählerisch geworden“, hat Dahnke festgestellt. „Man nimmt mit, was man kriegen kann.“ Dennoch sei die Situation – noch – nicht dramatisch. „Bei uns muss niemand mit leeren Taschen nach Hause gehen.“

Zwischen zwölf und 15 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Ausgabestelle, sortieren Lebensmittel und bedienen die „Kunden“, die sich alle zwei Wochen freitags beim Bürgerhaus Bornheide einfinden. Dass die Gemeinde bislang recht gut durch die Krise kommt, liegt zu einem erheblichen Teil daran, dass kräftig ausgemistet wurde. „Wir haben die Karteileichen aussortiert“, berichtet Dahnke. Die frühere Anzahl von 500 Berechtigungsscheinen habe man dadurch in etwa halbieren können. Und noch etwas spielte den Bornern in die Karten: Im Mai letzten Jahres hatte die weniger als zwei Kilometer entfernte Auferstehungsgemeinde Lurup ebenfalls eine Ausgabestelle eröffnet. Nach Auskunft der Betreiber ist das Interesse riesig: „Auf unserer Warteliste stehen 100 Personen, und wöchentlich kommen fünf bis zehn neue hinzu“, sagt Leiterin Agnes Mens.

Manchmal hat Pastor Mathias Dahnke regelrechte Erfolgserlebnisse – etwa, wenn sich frühere Bedürftige bei ihm abmelden, weil sie sich ihre Lebensmittel inzwischen selbst kaufen können. „So etwas freut einen natürlich“, sagt Dahnke. „Da wollen wir hin auf die Dauer!“ Angesichts ständig steigender Energie- und Lebensmittelpreise blickt der Kirchenmann auf den kommenden Winter jedoch weniger optimistisch. „Das dicke Ende kommt noch“, glaubt er.

 

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