Bei Stromnetz Hamburg sind 421 Stecker-Solaranlagen gemeldet. „Die Dunkelziffer dürfte erheblich größer sein“, vermutet Stromnetz Hamburg-Sprecherin Anette Polkehn-Appel.Foto: panthermedia

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd. Mit einer Mini-Solaranlage auf dem heimischen Balkon können Mieter Strom für den Eigenbedarf erzeugen und einen persönlichen Beitrag für die Energiewende leisten. Ein gut auf einem Südbalkon platziertes Standardsolarmodul liefert pro Jahr rund 280 Kilowattstunden Strom. Diese Strommenge entspricht nach Angaben der Verbraucherzentrale „etwa dem jährlichen Verbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine in einem Haushalt mit zwei Personen.“
Doch einfach eine Solaranlage kaufen, aufstellen und anschließen funktioniert nicht. Der Weg ist komplizierter. Bereits die erforderliche Zustimmung des Vermieters zu erhalten, ist nicht einfach, wie eine Nachfrage bei der Saga und bei Wohnungsbaugenossenschaften zeigt.
Die Saga, die rund 137.000 Wohnungen vermietet, steht der Installation von Balkon-Solaranlagen „grundsätzlich positiv gegenüber“, teilt Sprecher Gunnar Gläser mit. „Mieter müssen sich vorab bei ihrer zuständigen Geschäftsstelle eine Genehmigung für eine solche bauliche Veränderung einholen.“ Auch müssen Mieter sämtliche Kosten der fachgerechten Installation sowie alle erforderlichen Anmeldeformalitäten übernehmen und die Verkehrssicherheit der Anlage nachweisen. Gunnar Gläser: „Darüber hinaus muss der Anschluss an die Hausinstallation über eine außen liegende, sogenannte Energiesteckdose erfolgen, die von einem Elektrofachbetrieb zu installieren ist. Ob und inwiefern sich einzelne Balkone oder Terrassen für die verschiedenen Anlagen der Anbieter eignen, muss immer im Einzelfall geprüft werden.“
Die im Verein Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften organisierten 30 Wohnungsbaugenossenschaften haben zum Thema „Mini-
Solaranlagen für den Balkon“ keine abgestimmte Haltung. Vorstandsvorsitzende Alexandra Chrobok: „Wir empfehlen Mieterinnen und Mietern, die über den Kauf eines ‚Balkonkraftwerks‘ nachdenken, sich zuvor alle Genehmigungen, inklusive der des Vermieters, zu besorgen. Beim Einreichen des Antrags bei der Genossenschaft sollte der zu erwerbende Anlagetyp beigefügt werden. Zudem muss der Mieter eine Versicherung zur Absicherung von Gefahren, die durch den Betrieb einer solchen Anlage entstehen können, abschließen und vorlegen.“
Beim Eisenbahnbauverein Harburg (3.230 Wohnungen) wurde bislang keine Genehmigung für ein „Balkonkraftwerk“ erteilt. Der Altonaer Spar- und Bauverein (7.000 Wohnungen) hat bereits einige Mieter-Anfragen erhalten, aber ebenfalls „noch keine Genehmigung erteilt“, sagt Altoba-Sprecherin Silke Kok. Wenn bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt werden, seien Genehmigungen aber möglich. Aber selbst dann wird‘s schwierig. „Keine Genehmigung erteilen wir für die Montage einer Solaranlage außen an der Balkonbrüstung oder an der Hausfassade“, so Silke Kok.
Für den Bauverein der Elbgemeinden (13.800 Wohnungen) lassen sich Solaranlagen auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern häufig nicht umsetzen. Geklärt werden müssten zum Beispiel Verkehrssicherung, Elektroinstallation, Statik und Blendwirkung. Auch würde das Erscheinungsbild des Gebäudes verändert und die Fassade nicht mehr einheitlich aussehen.
Felix Ebeling (BVE): „Bei einer privaten Mini-Solaranlage gibt es je nach Modell die Möglichkeit, Strom in das Netz einzuspeisen und eine Einspeisevergütung zu erhalten. Da die Photovoltaikanlagen Strom produzieren, wenn er nicht unbedingt abgenommen wird, ist ein solches Szenario wahrscheinlich. An dieser Stelle wären Mitglieder aus Geschosswohnungsbauten mit Balkonen bessergestellt, als die Mitglieder ohne Balkon. Das widerspricht einem unserer genossenschaftlichen Grundsätze.“
Bei Mini-Solaranlagen wird allerdings üblicherweise auf eine Einspeisevergütung verzichtet. Denn der geringen Vergütung würde dann der Ablese- und Abrechnungsaufwand entgegenstehen.

Keine Genehmigung erteilen wir für die Montage einer Solaranlage außen an der Balkonbrüstung oder an der Hausfassade
Silke Kok
Altonaer Spar- und Bauverein

Stecker rein, Sonne ernten
Mini-Solaranlagen für Terrasse oder Balkon, auch Stecker-Solaranlagen genannt, sind ganz groß im Kommen. Mit ihnen tut man der Umwelt, und in der Regel auch dem eigenen Geldbeutel etwas Gutes. Vor Inbetriebnahme sind einige Punkte zu beachten.

<< Ist der Standort überhaupt geeignet? Ideal ist eine möglichst schattenfreie Ausrichtung nach Süden.

<< Ist das vorhandene Hausnetz ausreichend dimensioniert? Sind die Steckdose und der Stromkreis auf dem aktuellen Stand? Dies sollten Elektrofachleute unbedingt vorab prüfen.

<< Hat der Vermieter seine Einwilligung erteilt? Ohne dessen Zustimmung geht es nicht.

<< Welche Anforderungen stellt Netzbetreiber Stromnetz Hamburg? Infos stehen auf
www.stromnetz-hamburg.de/fuer-erzeuger
<< Das passende Balkonkraftwerk gefunden? Das können ein bis zwei Standard-Solarmodule (Format ca. 1 x 1,70 Meter, 18 kg Gewicht) aktueller Bauart sein, die Nennleistung liegt meist zwischen 350 bis 380 Watt je Modul. Es gibt auch kleinere Module mit geringerer Leistung.

<< Anmeldungen und eventuell nötigen Zählertausch erledigt? Auch Mini-Solaranlagen müssen im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Stromnetz Hamburg verlangt einen Zweirichtungszähler.
Der kostenlose Zähleraustausch kann über das Formular „vereinfachtes Anmeldeverfahren“ beantragt werden. Ein Zählerwechsel wird binnen zwei Wochen, in Ausnahmefällen in vier bis fünf Wochen, durchgeführt.

<< Können Sie die Leistung Ihrer Anlage messen? Dafür gibt es spezielle Zwischenstecker, mit denen man den produzierten Strom leicht kontrollieren und messen kann.

Unterstützung
Die Lokstedter Initiative SoliSolar-Hamburg will im Großraum Hamburg mit Mini-Solaranlagen die lokale Energiewende von unten starten. Man hilft sich und auch neuen Mitgliedern gegenseitig durch kostengünstige Sammelbestellungen, bei der offiziellen Anmeldung, im Umgang mit Vermietern, beim Aufbau und bei Bedarf durch solidarische Querfinanzierung. Weitere Mit-Machende sind willkommen!
<< www.solisolar-hamburg.de

Info-Veranstaltungen:
„In 11 Schritten zum eigenen Sonnenkraftwerk“,
6. September, 19 bis 20.30 Uhr, Alte Aula Gymnasium Rissen, Voßhagen 14
Anmeldung erforderlich über www.Zukunftsforum-Rissen.de

„Stromkosten verringern mit selbstgemachtem Strom aus der Sonne“
10. September, 14 bis 16 Uhr,
Ohlsdorf, Beisserstraße 28-30 (Durchgang), keine Anmeldung

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