Anlässlich des 300. Geburtstags Wilhelmsburgs druckte die „Wilhelmsburger Zeitung“ am 8. September 1972 mehrere Sonderseiten. Beim „FlohZinn“ am nächsten Sonntag, 4. September, kann man das Blatt im Original bewundern. Foto: Andrea Ubben

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Die Party nimmt sich Zeit – viel Zeit, in der ausgelassen gefeiert werden darf: Ganze drei Monate, vom 3. September bis zum 4. Dezember, soll die große Sause andauern, mit der der 350. Geburtstag der Elbinsel begangen wird.
Der Zeitraum hat einen historischen Bezug: Exakt so lange hatte es damals, vor 350 Jahren, von der Unterzeichnung bis zur Ratifizierung des Kaufvertrags gedauert (siehe Artikel Seite 3). Zu den Organisatoren der Geburtstagsparty gehören unter anderem das Museum Elbinsel Wilhelmsburg, der „Wilhelmsburger InselRundblick“, der Verein „Stadtkultur Hafen“, die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg und der Windmühlenverein.
Den Auftakt macht am heutigen Sonnabend, 3. September, das Bürgerhaus Wilhelmsburg: Ab 16 Uhr kann man hier geschichtsträchtige Exponate und Bilder aus dem Heimatmuseum betrachten, nebenher werden regionale Produkte verkauft. Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer spricht ein Grußwort. Für die musikalische Untermalung sorgt das Wilhelmsburger Bandoneon-Orchester.

Grafik: Oliver Menk

Der Wilhelmsburger InselRundblick wird die Jubiläumswochen am Sonntag, 4. Dezember, in der Honigfabrik mit der Präsentation einer Festschrift beenden. Zwischen diesen beiden Terminen finden etliche kleinere und größere Veranstaltungen statt, die das lebendige und vielfältige Wilhelmsburg widerspiegeln sollen: So beleuchtet zum Beispiel der Verein Stadtkultur Hafen am Sonntag, 11. September, von 12 bis 20 Uhr unter dem Titel „The Rise and Fall and Rise of Stübens Volksgarten“ die Stadtwerdung Wilhelmsburgs. Geplant ist ein gemütliches Beisammensein sowie „Plattenverkostungen“ mit den „Elbinsel-All-Star-DJs“. Auf dem Flohmarkt „FlohZinn“ in den Zinnwerken können Besucher am Sonntag, 4. September, in alten Druckerzeugnissen blättern: Vor Ort liegen Exemplare aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren der früheren „Wilhelmsburger Zeitung“ aus.
Aufgrund der Pandemie konnten die Planungen nach Auskunft der Organisatoren erst spät starten. „Eigentlich konnten wir erst im Juli richtig loslegen“, berichtet Andrea Ubben. Daher hoffe man nun auf viele Mitstreiter und auf gute Ideen. „Plant ein Picknick, ein Konzert, eine Lesung, ein Nachbarschaftsfest“, schlägt die Mitorganisatorin vor. „Verkauft 350 Liter Limonade, verschenkt 350 Blumen oder bemalt 350 Steine mit Wilhelmsburg-Motiven – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!“ Das Orga-
Team bietet Unterstützung an und hilft bei Fragen zur Finanzierung.
<< Kontakt per E-Mail: 350jahrewilhelmsburg@web.de oder Tel 0172 – 420 45 68

Die „Prinzessin von Ahlden“ – ein historisches Drama
Ihre Entstehung verdankt die heutige Elbinsel Wilhelmsburg dem welfischen Herzog Georg Wilhelm (1624-1705), der am 4. September 1672 die drei Inseln Stillhorn, Rotehaus und Georgswerder kaufte und mit der Insel Reiherstieg, die ihm bereits gehörte, zur „Herrschaft Wilhelmsburg“ vereinigte.
Doch die Geschichte ist damit nicht zuende: Was folgte, war ein tragisches Familiendrama, das bis in die europäischen Königshäuser hineinreichte und sogar 1948 in England verfilmt wurde (unter dem Titel „Saraband for Dead Lovers“).
Der Plot in aller Kürze: Aufgrund einer Geschlechtskrankheit, die sich der noch unverheiratete Landesherr (nach ihm ist die Georg-Wilhelm-Straße benannt) bei seinem Junggesellenabschied zugezogen hat, muss er sowohl seine Verlobte als auch seine Herrschaftsansprüche an seinen jüngeren Bruder abgeben. Später wird darüber hinaus seine 16-jährige Tochter Sophie Dorothea gezwungen, in die Familie des Bruders einheiraten – aus „dynastischen“ Gründen, wie berichtet wird.
Doch die Ehe mit Vetter Georg Ludwig – dem späteren Georg I. von England – steht unter keinem guten Stern. Sophie Dorothea sucht Zerstreuung und beginnt eine heimliche Liebschaft mit einem märkischen Grafen. Doch die Sache fliegt auf, der Liebhaber verschwindet über Nacht (man nimmt an, dass er ermordet wurde), und die traurige Geliebte muss den Rest ihres Lebens einsam auf einem Schloss in der Lüneburger Heide verbringen.
Als „Prinzessin von Ahlden“ ging Sophie Dorothea in die Geschichtsbücher ein. Nach ihr ist der Sophie-Dorothea-Stieg in Kirchdorf benannt.

Termine

Sonnabend, 3. September, 16 Uhr: Eröffnungsfeier im Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20

Sonntag, 4. September,
9 bis 16 Uhr: „FlohZinn“ mit historischen Ausgaben der „Wilhelmsburger Zeitung“, Zinnwerke, Am Veringhof 7

Sonntag, 11. September,
15 bis 20 Uhr: Elbinsellasterkonzert #03 & Stüben‘scher Volksgarten, Deichdiele, Veringstraße 156

Sonntag, 2. Oktober (noch ohne Uhrzeit): Kartoffelfest in der Windmühle Johanna, Schönenfelder Straße 99a

Sonntag, 4. Dezember (noch ohne Uhrzeit): Lesung aus der Festschrift „350 Jahre Wilhelmsburg“ in der Honigfabrik, Industriestraße 125-131

Den ganzen November über: Ausstellung von Günter
Marnau zum Thema „350 Jahre Wilhelmsburg“ im
Atelierhaus 23,
Am Veringhof 23
(www.peutekunst.de)

Weitere Termin-Infos:
www.facebook.com/
350JahreWilhelmsburg

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