Heinrich und Hedwig Wohlwill kurz vor der Deportation nach Theresienstadt (© Matthias Brandis)

Die Wohlwillstraße auf St. Pauli ist vielen im Stadtteil und darüber hinaus ein geläufiger Name. Um die Familie Wohlwill geht es in der Benefizreihe „Lesungen fürs Ledigenheim – zu Gast im Kleinen Michel“ am 09. September um 19 Uhr im Kleinen Michel, Michaelisstraße 5, 20459 Hamburg.

Der Autor Matthias Brandis, Ekel von Heinrich und Hedwig Wohlwill, hat nach seiner Pensionierung als leitender Kinderarzt an den Universitätskliniken in Marburg und Freiburg 200 Jahre seiner eigenen Familiengeschichte erforscht. Sein Thema ist das Schicksal der beiden jüdischen Hamburger Familien Wohlwill und Dehn.

Yoel Wolf (später Immanuel Wohlwill) wurde als Kind in der progressiven Jacobson-Schule in Seesen liberal erzogen – eine Grundhaltung, die er auch an seine eigenen fünf Kinder weitergab und die sich in den nächsten Generationen fortsetzte. Dies führte zu einer Akkulturation, einem kulturellen Anpassungsprozess, aller Familienmitglieder mit den unterschiedlichsten Berufen und Positionen in Pädagogik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

Ab 1933 wurden die Familienstrukturen auseinandergerissen, der Großteil flüchtete in verschiedene Länder auf der ganzen Welt. Wenigen gelang es, in Deutschland zu überleben. Fünf Mitglieder wurden ins KZ Theresienstadt deportiert. Nur eine überlebte dieses Lager und verstarb 1948 an den Folgen der Lagerhaft.

Die Lesung ist ein weiterer Abend zugunsten des sozialen und kulturellen Projekts „Das Ledigenheim erhalten!“ in der Hamburger Neustadt.  Dafür haben sich seit August 2014 an bisher über 80 Abenden immer wieder Autoren und etliche Schauspieler engagiert. Seit 2 Jahren ist die Gemeinde des Kleinen Michel Gastgeber der Benefiz-Reihe. Nur durch diese Nachbarschaftshilfe im großen Kirchenschiff konnten die Lesungen in den vielen Monaten der Corona-Pandemie überhaupt weitergeführt werden.

Matthias Brandis verzichtet auf ein Honorar. Der Eintritt ist frei. Die Spenden der Be-sucher kommen der laufenden Projektarbeit zugute.

Die Veranstalter bitten ihre Gäste weiterhin um Anmeldung: unter Tel: 040 29813888 oder unter anmeldung@stiftungros.de.

Carmen Korn kommt am 28. Oktober zur nächsten Lesung. Sie liest aus ihrem neuen Roman „Zwischen heute und morgen“. Auch dieser Abend beginnt um 19 Uhr im Kleinen Michel.  

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