Das Loch in der Straße ist inzwischen deutlich größer geworden. Foto: Lück

Wochenblatt-Kolumne von Oliver Lück

Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß längst, dass ich vor einigen Wochen über ein Loch schrieb, dass plötzlich in der Straße vor meinem Haus aufgetaucht war. 30 Zentimeter breit und genauso tief. Plötzlich war es da gewesen. Es mussten sechs Schilder und Absperrungen aufgestellt werden. Und an die Absperrungen wurden fünf blinkende Baustellenlampen gehängt, damit auch nachts niemand stürzt oder hineinfällt oder gar hineinfährt, damit es auch wirklich nicht übersehen wird, das Loch.

Und dann passierte erst einmal … nichts. Eine Woche. Zwei Wochen. Drei Wochen. Die Schilder standen. Die Lampen blinkten. Das Loch blieb Loch. Hin und wieder traf ich einen Nachbarn oder Fremde an der Absperrung, die in das Loch guckten und rätselten, was da unten noch so alles sein könnte. Und an manchen lauen Sommerabenden wurde sogar gemeinsam ein Bier getrunken an unserem Nachbarschaftsloch.

Ja, es bewegte sich etwas in unserer Straße. Wir spannen die abstrusesten Geschichten, dass da in der Unterwelt ja auch wundersame Wesen leben könnten, Asphalttierchen, von denen wir Menschen hier oben ja gar keine Ahnung hätten. Und dann gingen wir wieder in unsere Häuser und Wohnungen und vergaßen das Loch bis zum nächsten Tag.

In der vierten Woche aber – ich hatte eigentlich nicht mehr damit gerechnet – passierte doch noch etwas. Eines Morgens um viel zu kurz nach sieben weckten mich ungewohnte Baggergeräusche. Sie sind da, war mein erster Gedanke. Sie sind gekommen, um das Sommerloch zuzuschütten, irgendwie zu füllen oder zu flicken oder was weiß ich. Kurze Zeit später lief ich zur Straße. Sechs Bauerarbeiter. Dazu ein großer und ein kleiner Bagger. Die Männer erzählten mir, dass sie nun erst einmal mit einer Kamera nachsehen müssten, was da unten so los ist – Zwinkersmiley, HashtagAsphalttierchen, noch ein Zwinkersmiley (wenn die wüssten).

Um das alles etwas abzukürzen: Jetzt ist das Loch noch größer geworden und zu einer etwa vier mal zwei Meter breiten und ein Meter tiefen Baugrube mutiert. Es wurden weitere Absperrungen und Schilder aufgestellt und noch mehr Baulampen positioniert. Die FußgängerInnen müssen jetzt auf den gegenüberliegenden BürgerInnensteig wechseln, weil dieser durch eine blaue Dixi-Toilette versperrt ist. Auf den Gehweg dort müssen nun aber die Autos hinauf, weil sie sonst an der Baustelle nicht vorbeikämen.

Alles kein Problem, ich will mich nicht beschweren, wir kriegen das schon hin, wir richten uns hier ein mit unserem Loch. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass der Sommer dieses Jahr noch sehr lange nicht vorbei sein wird.

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