Der Sportplatz des SC Sternschanze wurde bereits auf energiesparendeLED-Technik umgerüstet. Foto: MS

Sportvereine wie der SC Sternschanze brauchen in der Energiekrise zusätzliches Geld von Stadt und Bund

Mateo Schneider, Hamburg-West

Während der Corona-Pandemie sind Sportvereine mit ihren Angeboten als Träger der sozialen Daseinsvorsorge weitgehend ausgefallen. Mit gravierenden persönlichen und sozialen Folgen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen. Kaum sind die massiven Folgen erkannt und ihre Überwindung angegangen, sehen sich nicht nur die Sportvereine dem nächsten Schock ausgesetzt: der durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelösten Explosion der Energiepreise.

„Zeitlich kommt das Thema nicht gerade gut“, versucht Maike Wulff, Vorstand Sport beim SV Eidelstedt SVE, betont sachlich zu bleiben. „Dieser Ball rollt aber zu schnell für uns. Wir werden in erhebliche Schwierigkeiten geraten.“

Ohne politische Begleitung in
finanzieller Form ist das Ganze für die Vereine nicht zu wuppen
Maike Wulff,
SV Eidelstedt

Der SVE gehört mit 7.600 Mitgliedern zwar zum Dutzend der größten Sportvereine Hamburgs, muss aber auch diverse vereinseigene „Einnahmevertilger“ unterhalten, darunter das vor gut zehn Jahren übernommene Bewegungsschwimmbad. „Uns fehlen zwar noch die konkreten Zahlen, aber klar ist: Die Energiekosten werden extrem steigen.“
Vertieft werden die Sorgenfalten noch durch die vom Bundeskabinett gerade beschlossene und vom 1. Oktober an wirksam werdende Gas-Umlage. Eine von allen Verbrauchern zu zahlende Umlage, mit der die durch die Preisexplosion ins Wanken geratenen Energieversorger gestützt werden sollen.

Der SV Eidelstedt versucht, sich „mit einem Konzept aus vielen Kleinigkeiten“, so Wulff, an die Bewältigung der Probleme heranzutasten. Wie etwa der erfolgten Temperaturabsenkung des Wassers im vereinseigenen Bewegungsschwimmbad in der Lohkampstraße um zwei Grad Celsius auf 27 Grad. Klar sei aber: „Wir haben bereits während der Corona-Pandemie die Beiträge erhöht, können das aber nicht ins Unermeßliche steigern.“

Der SC Sternschanze verfügt über keine vereinseigene Sport- oder Schwimmhalle, sondern muss sich „nur“ über einen Sportplatz und ein Vereinshaus einschließlich eines dazugehörigen Umkleidetrakts verantwortliche Gedanken machen.

Angespannte finanzielle Situation und Einsparungen

Aber er gehört mit ungefähr 1.200 Mitgliedern zur Gruppe der „kleinen und mittleren Vereine“ in Hamburg und kämpft noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie. „Wir haben knapp 15 Prozent unserer Mitgliedschaft verloren“, sagt der erste Vorsitzende Uwe Wetzner. „Das hört sich vielleicht überschaubar an. Aber weil wir unseren Etat weitestgehend aus Beiträgen bestreiten, hatte das für uns erhebliche Einschnitte zur Folge.“ Schon seit Längerem ist der Verein damit beschäftigt, eine Bestandsaufnahme der Energiekosten ständig zu aktualisieren und Einsparungsmöglichkeiten umzusetzen. So wurde 2020 die vereinseigene Flutlichtanlage auf dem Sportplatz Sternschanze auf LED-Technologie umgerüstet und derzeit läuft das Verfahren für die Anlage auf dem Sportplatz Sternschanzenpark.

Trotz aller Unterschiede in der Struktur beider Vereine stimmt Uwe Wetzner Maike Wulffs Aussage zu: „Ohne politische Begleitung in finanzieller Form ist das Ganze für die Vereine nicht zu wuppen.“ Ihre Dachorganisation Hamburger Sportbund wissen sie dabei auf ihrer Seite: „Wir sind seit Längerem mit der Bundes- und Landesebene zum Thema Energiekrise im Gespräch. Diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung werden wir nur gemeinsam bewältigen können. Der gemeinnützige Sport muss hier explizit mitgedacht werden“, fordert der HSB-Vorstandsvorsitzende Daniel Knoblich.

 

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