Das Lehrschwimmbecken des TuS Harburg-Wilhelmsburg ist ein echter „Energiefresser“.Foto: pr

Waldemar Düse, Hamburg-Süd. Die Folgen der Corona-Pandemie sind für die meisten Sportvereine noch nicht ausgestanden, da rollt mit dem explosionsartigen Anstieg der Energiepreise bereits der nächste Schock heran.
Erhöhtes Kopfzerbrechen bereitet dabei die vom Bundeskabinett gerade beschlossene und zum 1. Oktober wirksam werdende Gas-Umlage. Eine von allen Verbrauchern zu zahlende Umlage zur Stützung der ins Wanken geratenen Energieversorger.
Anders als während der Corona-Pandemie hat der Hamburger Sportbund diesmal bereits frühzeitig Stellung bezogen. „Wir sind seit Längerem mit der Bundes- und Landesebene zum Thema Energiekrise im Gespräch. Diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung werden wir nur gemeinsam bewältigen können. Der gemeinnützige Sport muss hier explizit mitgedacht werden“, fordert der HSB-Vorstandsvorsitzende Daniel Knoblich.
Während der Corona-Pandemie sind Sportvereine mit ihren Angeboten als Träger der sozialen Daseinsvorsorge weitgehend ausgefallen. Mit gravierenden persönlichen und sozialen Folgen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen. Das ist haften geblieben.
Dem kann Mark Schütter, Geschäftsführer „Verwaltung/IT, Finanzen und Sportentwicklung“ der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft, nur zustimmen. „Allein werden die Vereine dieses riesige Problem nicht lösen können“, ist er sich sicher. Die HNT gehört zum Dutzend der größten Sportvereine Hamburgs mit einer Vielzahl vereinseigener, kostenintensiver Anlagen. Die heranrollende Welle explodierender Energiepreise wird sie also mit voller Wucht treffen. „Wir haben dieses Thema bereits diskutiert.“ Die Herausforderung in Angriff nehmen wolle man auf zwei Ebenen: Zunächst mit einer „Verbrauchssenkung“ der auf Erdgas basierenden Energieversorgung und dann – noch etwas vage – mit einer in die Zukunft gerichteten Strategie.
In einer ähnlichen Lage befindet sich der wesentlich kleinere Turn- und Schwimmverein Harburg-Wilhelmsburg. Der TuS betreibt die vereinseigenen Hallen für Tennis und Schwimmen erdgasbasiert. „Obwohl wir uns bereits seit 2010 mit dem Thema Energieeinsparung beschäftigen, machen wir jetzt natürlich dicke Backen“, sagt TuS-Geschäftsführer Hartmut Wirl (siehe auch Interview). „Gerade die Schwimmhalle ist ein Energiefresser.“ Der Erdgasverbrauch des Vereins beträgt über 1.250.000 Kilowattstunden pro Jahr.
Hoffnung macht Wirl, dass gerade die Bedeutung des Schwimmens für die kindliche Entwicklung momentan intensiv diskutiert wird und „die Zusammenarbeit mit dem HSB jetzt richtig gut ist“. Etwas anderes können die Sportvereine und ihre Dachorganisation sich angesichts des Ernstes der Lage aber auch nicht erlauben.
Der SV Wilhelmsburg hat die Wochenblatt-Anfrage bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

„Zeitlich kommt das Thema nicht gerade gut“, versucht Maike Wulff, Vorstand Sport beim SV Eidelstedt SVE, betont sachlich zu bleiben. „Dieser Ball rollt aber zu schnell für uns. Wir werden in erhebliche Schwierigkeiten geraten.“
Der SVE gehört mit 7.600 Mitgliedern zwar zum Dutzend der größten Sportvereine Hamburgs, muss aber auch diverse vereinseigene „Einnahmevertilger“ unterhalten, darunter das vor gut zehn Jahren übernommene Bewegungsschwimmbad. „Uns fehlen zwar noch die konkreten Zahlen, aber klar ist: Die Energiekosten werden extrem steigen.“
Der SV Eidelstedt versucht, sich „mit einem Konzept aus vielen Kleinigkeiten“, so Wulff, an die Bewältigung der Probleme heranzutasten. Wie etwa der erfolgten Temperaturabsenkung des Wassers im vereinseigenen Bewegungsschwimmbad in der Lohkampstraße um zwei Grad Celsius auf 27 Grad. Klar sei aber: „Wir haben bereits während der Corona-Pandemie die Beiträge erhöht, können das aber nicht ins Unermeßliche steigern.“
Der SC Sternschanze verfügt nicht über eine vereinseigene Sport- oder Schwimmhalle, sondern muss sich „nur“ über einen Sportplatz und ein Vereinshaus einschließlich eines dazugehörigen Umkleidetrakts verantwortliche Gedanken machen.
Aber er gehört mit ungefähr 1.200 Mitgliedern zur Gruppe der „kleinen und mittleren Vereine“ in Hamburg und kämpft noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie. „Wir haben knapp 15 Prozent unserer Mitgliedschaft verloren“, sagt der erste Vorsitzende Uwe Wetzner. „Das hört sich vielleicht überschaubar an. Aber weil wir unseren Etat weitestgehend aus Beiträgen bestreiten, hatte das für uns erhebliche Einschnitte zur Folge.“ Schon seit Längerem ist der Verein damit beschäftigt, eine Bestandsaufnahme der Energiekosten ständig zu aktualisieren und Einsparungsmöglichkeiten umzusetzen. So wurde 2020 die vereinseigene Flutlichtanlage auf dem Sportplatz Sternschanze auf LED-Technologie umgerüstet, und derzeit läuft das Verfahren für die Anlage auf dem Sportplatz Sternschanzenpark.

Hartmut Wirl, Geschäftsführer des TuS Harburg/Wilhelmsburg, hat den Vereinsmitgliedern in einem Schreiben Energiesparmaßnahmen angekündigt .Foto: pr

Hartmut Wirl, Geschäftsführer TuS Harburg-Wilhelmsburg, zur Pandemie und Energiekrise
Elbe Wochenblatt: Viele Vereine haben immer noch mit der Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie zu tun. Wie ist der TuS Harburg-Wilhelmsburg durch diese Zeit gekommen?
Hartmut Wirl: „Wir hatten durch die Corona-Pandemie 35 Prozent Mitgliederschwund, aber kaum jemand ist zurückgekommen. An dieser Stelle muss ich mal ein Riesenlob an alle staatlichen Stellen loswerden, die uns geholfen haben, durch diese Krise hindurchzukommen.“

Hatte der Verein überhaupt schon Zeit, sich eingehend mit der Problematik wahrscheinlich explodierender Energiepreise auseinanderzusetzen?
Seit mehr als zehn Jahren ist die Einsparung von Energie für uns immer ein Thema gewesen. Wir haben auf dem Dach der Schwimmhalle eine Fotovoltaik-Anlage installiert. Durch ein neues Blockheizkraftwerk haben wir 35 Tonnen CO2 eingespart. Wir haben die Fußbodenheizung der Tennishalle umgebaut und moderne Dunkelstrahler installiert. Aber das Problem dabei: Alles ist erdgasbasiert. Mit dieser Problematik befassen wir uns bereits seit Februar.

Was bedeutet der befürchtete Schub der Energiepreise konkret für Ihren Verein?
Bis Ende 2021 sind die Gaspreise von 2,5 Cent pro Kilo auf 16 Cent explodiert, die Strompreise von 5,5 Cent pro Kilowattstunde auf 32 Cent. Schon die bis jetzt bereits extrem gestiegenen Energiepreise fressen die Effizienzgewinne wieder auf. Wenn nun noch die Gas-Umlage kommt, kann ich dichtmachen.

Wie lautet vor diesem Hintergrund Ihre Forderung an die Politik?
Wir können die explodierenden Preise nach dem Kostendeckungsprinzip nicht 1:1 weitergeben. Wir sind keine Bittsteller, sondern betreiben Daseinsvorsorge. Deswegen müssen die Vereine unterstützt werden. Allein sind sie damit völlig überfordert.

So wird gespart
Beim TuS Harburg/Wilhelmsburg werden alle nicht zwingend für die Aufrechterhaltung des Sportbetriebes notwendigen Anlagen abgeschaltet. Die neue Saunalandschaft bleibt weiterhin geschlossen, die Wassertemperatur im Bewegungsbad/ Lehrschwimmbecken auf ca. 28 Grad Celsius gesenkt.
In Handwaschbecken gibt‘s nur noch Kaltwasser.
Dennoch wird der TuS, wie viele andere Vereine, die stark gestiegenen Energiekosten nicht aus eigenen Mitteln stemmen können.

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