So sieht das vor sich hin rostende Stahlskelett der ehemaligen Schiller-Oper derzeit aus. Foto: ms

Schiller-Oper: Abrissantrag gestellt, Initiative befürchtet das Schlimmste

Mateo Schneider, St. Pauli

Die Ähnlichkeiten zum benachbarten „Holsten-Areal“ drängen sich auf: Jahrelang haben die Eigentümer des Schiller-Oper-Geländes die unter Denkmalschutz stehende Stahlskelett-Rotunde sich selbst überlassen. Nun ist durch eine kleine Anfrage der Partei Die Linke bekannt geworden, dass für das letzte Architekturdenkmal dieser Art in Deutschland ein Abrissantrag gestellt worden ist.

Es ist eine
bedrückende Situation
Peter Keller,
Schiller-Oper-Initiative

Ein überteuert erworbenes Gelände soll allem Anschein soweit „bereinigt“ werden, dass es entweder hochprofitabel bebaut oder weiterverkauft werden kann. „Es ist eine bedrückende Situation“, sagt Peter Keller von der „Schiller-Oper-Initiative“, die für den Erhalt und die nachhaltige Sanierung des geschichtsträchtigen Bauwerks kämpft. „Es sieht sehr schlecht aus.“

Schlecht aus Sicht der Initiative, weil im nun bereits Jahre währenden Katz-und-Maus-Spiel um die Zukunft des Geländes sich sowohl Denkmalschutz- als auch Kulturbehörde offenbar mit der Rolle der Maus begnügen. Obwohl das Stahlskelett seit 2012 unter Denkmalschutz steht, versucht die Eigentümerin „Schilleroper Objekt GmbH“, auf einen Abriss des gesamten Ensembles hinzuarbeiten. Ihre 2017 vom damaligen Bezirksamtsleiter Falko Droßmann auf einer Informationsveranstaltung wortreich angepriesenen Neubaupläne waren nicht nur in der Nachbarschaft auf nahezu einhellige Ablehnung gestoßen. Die Reste der Schiller-Oper wären hinter einem zehngeschossigen Hochhaus und einer Ummantelung nahezu verschwunden.

Seitdem erschöpfen sich die öffentlich wahrnehmbaren behördlichen Tätigkeiten auf immer neue Fristsetzungen und Gespräche. „Die Behörden müssen endlich die Initiative ergreifen und selbst ein Gutachten über den Zustand des Stahlskeletts erstellen lassen“, fordert Keller für die Initiative. Bisher hätten sie sich darauf beschränkt, den von der „Eigentümerschaft“ bestellten Gutachter zu bezahlen, so Keller. „Die Behörden müssen endlich mit breiter Brust auftreten.“

Bislang sehe es allerdings so aus, als gäben sie sich mit dem Verfahren einer „Wirtschaftlichkeitsprüfung“ zufrieden. Werde darin die Unwirtschaftlichkeit einer Erhaltung festgestellt, stehe einem Abriss nichts mehr im Wege. Einen Antrag der Linken auf Enteignung hatten zuletzt alle anderen Parteien abgelehnt.

 

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