Haidar Jasim al Obaidi (Mitte) und Kollegen bei einem Wochenblatt-Termin im März dieses Jahres. Foto: cvs

Nach Anfrage des Elbe Wochenblatts: Iraker mit Duldung erhält nach drei Jahren eine Arbeitserlaubnis

Ch. v. Savigny, Hamburg-West

Happy End für den „Schnackschrauber“ Haidar Jasim al Obaidi, der sich seit knapp fünf Jahren ehrenamtlich bei dem Bahrenfelder Spendenrad-Projekt in der Regerstraße engagiert: Nach etlichen vergeblichen Anläufen erhält der geflüchtete Iraker nun offenbar doch eine Arbeitserlaubnis. „Dem Betroffenen wurde nun von der Fachabteilung die Globalzustimmung zur Arbeitsaufnahme erteilt“, erklärt Bettina Burgemeister, Sprecherin des Hamburger Amts für Migration, auf Anfrage des Wochenblatts am Donnerstag vergangener Woche.

Ich freue mich
Haidar Jasim al Obaidi,
Schnackschrauber

Angesichts der großen Mühen, die die „Schnackschrauber“ aufgewendet haben, klingt die Begründung für den späten Entscheid allerdings ziemlich banal: Aufgrund des Flüchtlingsstroms aus der Ukraine sei die Bearbeitung des Antrages „leider aus dem Blick geraten“, so Burgemeister. Trotzdem: „Ich finde das großartig“, sagt der „Schrauber“ Christian Saß, der den 51-jährigen Iraker seit Längerem betreut. Auf die Idee, dass jemand die Angelegenheit verschusselt haben könnte, sei er gar nicht gekommen. „Das hätte ich einer Behörde nicht zugetraut!“

Nach seiner Flucht aus dem Irak, wo er zuletzt als Karosseriebauer tätig war, hatte sich Obaidi trotz schlechter Deutschkenntnisse – ein längerer Schulbesuch war ihm in seinem Heimatland verwehrt geblieben – sehr schnell akklimatisiert. Bei den „Schnackschraubern“ überzeugte er mit seiner freundlichen Art und seinen überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten.

„Er hat sich zu einem der zuverlässigsten und versiertesten Mitarbeiter entwickelt“, sagt ein Kollege. Seit rund drei Jahren bemühen sich die Ehrenamtlichen, ihrem irakischen Helfer eine Festanstellung zu besorgen – zunächst bei verschiedenen Kfz-Werkstätten, dann auch in Fahrradgeschäften. Im „Radladen“ an der Friedensallee hatte er im Juni ein Praktikum begonnen. Dort wollte man ihn anschließend als Mitarbeiter übernehmen, doch sein Aufenthaltsstatus – Obaidi ist lediglich geduldet – verhinderte dies bislang.

Und es gibt weitere gute Nachrichten, die den Weg in die Integration erleichtern könnten: In diesem Jahr konnten ihm die Schnackschrauber – nach sechs Jahren Containerleben – endlich eine kleine Wohnung vermitteln. Zudem liegt in Berlin allem Anschein nach ein neuer Pass bereit – der alte war auf der Flucht verloren gegangen.

Die gute Nachricht erreichte Obaidi auf einer Radtour. „Ich freue mich!“ – mehr brachte er am Telefon angesichts der großen Überraschung erstmal nicht heraus.

 

Sensationell: Elbe Wochenblatt-Leser spendeten 150 Fahrräder!

Die Schnackschrauber freuen sich über jedes verwertbare Fahrrad, insbesondere über Kinderräder. Im März erschien ein entsprechender Spendenaufruf im Elbe Wochenblatt. „Wir haben daraufhin an die 150 Räder bekommen, die inzwischen alle im verkehrssicheren Zustand wieder ausgegeben wurden“, sagt Jochim Maack von den Schnackschraubern.

Ein dickes Dankeschön an die Wochenblatt-Leser, die in ihrem Fahrradkeller nachgesehen und die Räder in der Werkstatt der Schrauber vorbeigebracht haben!

Seit über sieben Jahren arbeiten die Schnackschrauber Spendenräder für Geflüchtete und inzwischen auch andere Hilfsbedürftige auf. Mit dem Ziel, diesen Menschen zu mehr Mobilität auf ihren Wegen zur Arbeit, zu Deutschkursen, zur Schule oder einfach nur zur Fortbewegung zu verhelfen. Maack: „Angefangen haben wir mit einer Werkstatt in der damals größten Erstaufnahme, in der Schnackenburgsallee. Inzwischen betreiben wir eine Werkstatt auf dem Geflüchtetenhof der Luthergemeinde.“

Jetzt, wo die 150 Räder der Elbe Wochenblatt-Leser wieder fitgemacht wurden, können die Schrauber neue Räder gut gebrauchen. So wie wir unsere Leser kennen, werden viele wieder in ihrem Fahrradkeller nachschauen.

>> Die Ehrenamtlichen freuen sich weiter über Spenden – insbesondere Kinderräder sind derzeit weiter sehr gefragt. Kontakt: Regerstraße 73, Tel. 01523/ 820 50 11, Abgabezeiten: mi/do 15-18 Uhr.

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