Eine Anwohnerin machte am 27. Juli dieses Foto: Protest von rumänischen Wanderarbeitern auf dem Dach der ehemaligen Holsten Brauerei. Foto: pr

Rumänische Wanderarbeiter eines Subunternehmers warten offenbar auf ihren Lohn für Abrissarbeiten

KP Flügel/ M. Greulich Altona

Auf dem Dach stehen Wanderarbeiter, die auf zwei Transparenten einen Hungerstreik ankündigen. Das passierte am Mittwoch vergangener Woche nicht auf einer Baustelle in Quatar sondern an der Holstenstraße, wo das ehemalige Brauereigelände abgerissen wird, um dort Wohnungen bauen zu können.

Die Szene hatte eine Anwohnerin fotografiert, die Initiative „knallt am dollsten“ hatte den Vorfall öffentlich gemacht, über den verschiedene Tageszeitungen berichteten. Die Nachfrage des Elbe Wochenblatts bei dem mit dem Abriss beauftragten Unternehmen Freimuth ergab, dass dieses seine Zahlungsverpflichtungen eingehalten und pünktlich bezahlt habe. Geschäftsführer Stefan Lührs betont: „Wir fordern von allen Nachunternehmungen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Wir haben die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmen eingestellt, bis sich der Sachverhalt vollständig aufgeklärt hat.“ Gemeint ist das Unternehmen SAR Industrieservice mit Sitz in Essen.

Wie verschiedene Medien in Nordhein-Westfalen berichteten, habe die Essener Firma an bundesweit mehreren Baustellen – so auch in Altona – einen weiteren Subunternehmer beauftragt. In dieser letzten Kette an Subunternehmen seien rund 70 rumänische Wanderarbeiter beschäftigt, deren Chef bis vergangene Woche auf rund eine Million Euro aus Essen wartete. Nach den Protestaktionen, die zeitgleich in Düsseldorf und Altona stattfanden, soll nun zumindest ein Teilbetrag gezahlt worden sein.

In Düsseldorf hat Thorsten Goerke (Sekretär der Industriegewerkschaft Bauen – Agrar – Umwelt) mit „einigen rumänischen Kollegen gesprochen, die etwas Deutsch sprachen“. Dass Ketten von Subunternehmen beschäftigt werden, liege an „einem gesetzlichen Schlupfloch, das der Gesetzgeber möglichst bald schließen muss“, so Goerke.
In Hamburg wird nun der Zoll tätig. „Wir sind noch in der Vorprüfung“, bestätigt Sprecher Oliver Bachmann. Erster Ansprechpartner sei dabei der Bauherr. Auf Anfrage der „Mopo“ hatte die Adler Gruppe bekräftigt, alle Rechnungen an das Abrissunternehmen fristgerecht bezahlt zu haben. Laut Zoll-Sprecher Bachmann sei auch der Bauherr nicht aller Sorgen ledig, wenn sich die Vorwürfe bewahrheiteten.

Die Initiative „knallt am dollsten“ fordert, sich die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle genau anzusehen. Sie bemängelte außerdem, dass der Abriss nicht wie ursprünglich geplant vonstatten geht. „Der Bauschutt wurde nicht wie angekündigt in den Hallen zwischengelagert. Staubfahnen ziehen über das gesamte Gelände und beinträchtigen die in der Nachbarschaft Wohnenden und die angrenzende Theodor-Haubach-Schule. Ob Schadstoffe wie Asbest regelkonform entsorgt wurden, steht in den Sternen, wir haben berechtigte Zweifel.“

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